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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1916-01-01 · XI. (1916) · page 280

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XI. (1916)
Date
1916-01-01
Page
– (sequence 280)
Language
German
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260 Sadducäismus III. Die Sadducäer leugnen das Schicksal völlig und behaupten, Gott habe mit dem Tun und Lassen des Mensehen gar nichts zu schaffen, vielmehr seien gute wie böse Handlungen gänzlich dem freien Willen anheimgestellt, und nach eigenem Gutdünken trete ein jeder auf die eine oder andre Seite (Josephus BelL II, 8, 14; Antiqu. XVIII, 1, 4). IV. Die Hauptstütze der Sadducäer war die Aristokratie. Ihre Anhänger gehören den besten Ständen an (Antiqu. XV111, 1, 4). Die Sadducäer haben die Reichen auf ihrer Seite (ib. XIII, 10, 6); im Gegensatz zu den Pharisäern, die das Volk für sich hatten 1). Epikuräismus HI. Nach Epikur ist der Vorsehungsglaube nichts besser als die Volksreligion; auch dieser wird ähnlich der volkstümlich religi- Ösen Auffassung als ein Märchen bezeichnet (Plut.De def. orac.10 S.420 b, vgl. Cicero N. D. 1,8,18). Wie könnte auch, fragen dieEpikuräer, die göttliche Vorsehung die Schöpferin einer Welt sein, in der so unzählig viel Übles ist, in der so oft das Laster triumphiert? (Lactant. De ira dei c. 13g.E.) IV. Die Epikuräer waren Lobredner der Monarchie. Der weiche und furchtsame Geist des Epikuräismus suchte den Schutz der monarchischen Verfassung (Zeller, Geschichte der griechischen Philosophie III1, 474), sie neigten also zur Aristokratie. *} Hiernach war es kein Zufall, dass Aristobulus, der Sohn Johann Hyrkans. der bis kurz vor seinem Lebensende ein Pharisäer war, ״aus eigener Machtvollkommenheit die bisherige Regierungsform in ein Königtum“ verwandelte (Antiqu. XIH, 11, 1). Wie wir noch weiter sehen werden, lag es in dem Wesen des Pharisäismus, die Volksherrschaft, also die Demokratie, zu begünstigen. Nicht so bei den Sadducäern, die entsprechend ihrem epikuräischem Prinzip die Monarchie bevorzugten. Weil nun aber das Volk pharisäisch gesinnt war, musste der Sadducäer Aristobulus (vgl.: ״er war ein Freund der Griechen“ Antiqu. XIII, 11, 3) aus eigener Machtvollkommenheit die Krone aufsetzen. War die Monarchie einmal begründet, so waren auch monarchische Prinzipien ausschlaggebend, Bald sehen wir daher, dass der neue König die unterworfenen Völker zwang, das Judentum anzunehmen; es lag in dem monarchischen Prinzip des Aristobulus, die Staatsgesetze einheitlich zu gestalten. Es ist merkwürdig, dass kein einziger Historiker sich über diesen Regierungswechsel Rechenschaft ablegte und niemand fragte, wie diese Umwandlung vor sich ging.

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