Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XI. (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- – (sequence 278)
- Language
- German
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258 Eine richtige Antwort auf diese Fragen erhalten wir, wenn wir das Wesen des Sadducäismus genau erkennen. Wir haben nämlich verschiedene Beweise dafür, dass der Sadducäismus in allen Stücken die Lehre des Epikuräismus vertreten hat. Wie die Epikuräer haben auch die Sadducäer die Existenz Gottes geleugnet. Die Epikuräer haben nur dem Begründer ihrer Lehre göttliche Verehrung gezollt. Nun ersehen wir aus verschiedenen Stellen, dass die Sadducäer Moses als ihren Lehrer betrachtet haben. Demgemäss haben sie die Thora als ein Werk Moses’ und nicht als göttlich betrachtet. Wir begreifen daher, dass die Sadducäer den Namen Moses’, den sie für den Begründer des Judentums und Verfasser des Pentateuchs gehalten haben, nicht gemeinsam mit dem des Landesfürsten schreiben lassen wollten, dass sie es aber nicht beanstandeten, dass der Name Gottes zugleich mit dem des Fürsten geschrieben werde. Diese Behauptungen sollen im Folgenden bewiesen werden. Was zunächst die Vergleichung von Sadducäismus und Epikuräismus betrifft, so könnten wir für unsre Behauptung Belege aus dem ״Henoch-Buch“ und aus der ״Weisheit Salomos“ anführen. Diese beiden Bücher kämpfen mit allen Mitteln gegen den Epikuräismus. Die Vertreter dieses Systems sind aber, wie dies G. Beerl) nachweist, die Sadducäer. Wenn wir demnach zur richtigen Beurteilung des Wesens und Charakters des Sadducäismus eine genaue Gegenüberstellung der einzelnen Lehrmeinungen der Sadducäer und Epikuräer als zur Sache durchaus notwendig erachten, so könnten und brauchten wir nur die in den obengenannten Schriften erwähnten Ansichten der Sadducäer hier anzuführen. Jedoch weil an diesen Stellen der Name der Sadducäer nicht ausdrücklich erwähnt wird, wenn auch kein Zweifel darüber herrschen darf, gegen wen sich die ganze Polemik richtet, so wollen wir hier lieber die im Talmud und bei Josephus sich findenden saddueäischen Annahmen zitieren. Hierbei wollen wir zuerst die Lehren anführen, die zur allgemeinen Charakteristik beitragen, und dann die, welche zur Aufhellung und Klärung der saddueäischen Eigentümlichkeiten von Wichtigkeit sind, berücksichtigen. *) Kautzsch, Apokryphen II, 231.