Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XI. (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- – (sequence 247)
- Language
- German
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227 LXV. Wer wüsste nicht, dass Schreib- und Druckfehler in alten und neuen Schriftwerken viel Verwirrung angestiftet und ärgerliche Missverständnisse hervorgerufen haben! Schon der Talmud warnt vor Verwechslung gleichartiger Buchstaben, Sabbath 103 b; besonders von דל״ת und רי״ש, vgl. בעל הטורים zu 5. M. 0, 4. Man könnte eine stattliche Monographie speziell über diesen letzteren Punkt schreiben. Eine besondere Rubrik würden daselbst die Verwechslungen von אהד und אחר ausmachen1), und in dieser dürfte die Raschistelle zu 5. M. 31, 7 nicht fehlen. Die dort stehenden Worte דבר אהד haben die Setzer mehrfach für das in Raschi so häufig vorkommende דבר אחר angesehen und haben es noch ausserdem in ד״א abgekürzt, — wie in vielen Ausgaben zu lesen ist, — so dass der Unkundige wie vor einem Rätsel steht. Aber noch vielen anderen Wörtern ist die Verwechslung von דל״ת und רי״ש verhängnisvoll geworden. Da fand ich in dem Werke דברי שערי חיים S. 109 a folgenden Midrasch angeführt: משחרב בית המקדש בטל יין קדוש. Der sehr gelehrte Verfasser דל, der als talmudische Grösse bekannt und anerkannt war, bemüht sich nachzuweisen, was unter יין קדוש zu verstehen sei. Ihn hat jedoch ein Druckfehler irregeführt. Die Stelle befindet sich in Echa rabbati 4, 4 und lautet: מיום שחרב ביהמ״ק בטל יין קרוש וזכוכית לבנה ולמה קורין (2אותו לבנה שהיתה מתקפלת. Hier haben wir des Rätsels Lösung; es soll ״ יין קרושkondensierter Wein“ heissen. Dieser יין קרוש wird auch im Talmud Sota 48 b, Sukka 12 b, 49 a erwähnt. Eine Art Wein in kondensierter Form muss auch חרס הדרייני in Aboda Sara 29 b gewesen sein. Der Verfasser des מתנות בהונה hat eben- *) Vgl. Erubin 13 a und Tanchuma ganz am Anfang: אם אתח עושה דל״ת רי״ש אתה מחריב את העולם; ebenso ויקרא רבה י״ט. 2) Ueber זכוכית לבנה vgl. Jahrb. VI, S. 89. Zur Ergänzung des dort Mitgeteilten verweise ich auf den Kommentar des מהרז״וו in der Wilnaer Ausgabe zu obiger Midraschstelle. Nach einem Werke חבת הארץ wird dort folgendes erzählt. Ein König (?) habe die Juden seiner Stadt zu sich entboten, um ihnen ein Unicum aus seiner Schatzkammer zu zeigen, nämlich ein Glasgefäss, welches er in seiner Hand zusammenballen könne, als oh es aus weichem Stoffe wäre. Nachher wurde es wieder ausgedehnt und nahm seine frühere Gestalt an. Der König sagte, diese einzig in ihrer Art dastehende Kostbarkeit habe Hiram, der König von Tyrus, seinem Freunde Salomo zum Geschenk gemacht (?!).