Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XI. (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- – (sequence 107)
- Language
- German
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87 Darüber gibt die Talmudstelle Moed Eaton 3bff. Auskunft. Auch R. Ismael bestreitet danach die Richtigkeit der Ueberlieferung R. Akibas inhaltlich nicht, wie er ja den Grundsatz מוכויפץ מהול על הקדש ausdrücklich auch für שביעית anerkennt (Rosch haschanah 9a. Vgl. S. 86 Anm. 1). Nur ist diese Vorschrift für ihn eine הלכה למשה מסיני, die im Wortlaut der Thora keine Andeutung findet, während die Ueberlieferung R. Akibas sie in der Thora, in den Worten בחריש ובקציר תשבת erkennen lehrt (ibid. ,הלבתא לר׳ ישמעאל קראי לר עקיבא). Man sieht, dass auch R. Ismael die erste Deutungs־ möglichkeit ganz unberücksichtigt lässt, sie also nicht als פשט anerkennt, sondern seine Auslegung als פשטא דקרא ansieht. Andererseits muss doch auch R. Akiba die Richtigkeit des Lehrsatzes, dass קצירת העומר דוהה שבת, dass der Omerschnitt auch am Sabbath erfolgen darf und muss, zugeben, und er muss ihn sogar in der Thora angedeutet wissen, weil er ja den Ausgangspunkt zu dem bekannten, verhängnisvollen השבת mm^-Streit zwischen Pharisäern und Sadducäern bildet. Man wird daher nicht fehlgehen, wenn man annimmt, dass für R. Akiba die Ueberlieferung des R. Ismael den פשט, seine eigne den, höherberechtigten, דרוש darstellte. So birgt sich auch in dieser Auseinandersetzung der Gegensatz zwischen דרוש und פשט.