Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XI. (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- – (sequence 104)
- Language
- German
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84 קרא בחריש ובקציר תשבות בזמן דאיכא חרישה איכא שבת ובזמן דליכא חמשה ״ ,ליכא שבת וכדder Irrtum entstand aus der Auslegung der Versworte בחריש ובקציר תשבות, aus denen sie schliessen zu sollen glaubten, dass nur dann, wenn (an den Werktagen) die Feldarbeit gestattet sei, im Gegensatz dazu das Sabbatbruhegesetz gelte; wenn aber, wie im Siebtjahr, die Feldarbeit überhaupt, auch an den Wochentagen verboten sei, trete das Sabbathtagsgebot ausser Kraft״. Wie wäre nun aber ein solcher Irrweg bei dem grossen Beth Din möglich, wenn ihm nicht eine falsch verstandene, in der Erinnerung verschobene Ueberlieferung zu Grunde gelegt werden konnte? — Das entstellte Gemälde gestattet oft eine Keconstruktion des ihm zur Vorlage dienenden Motivs; so kann auch hier aus dem Tohuwabohu der falschen Vorstellungen die wahre Ueberlieferung erschlossen werden. Diese lehrte, dass die Thora gerade mit überlegter Absicht das Sabbathtagsruhegebot an dieser Stelle wiederholt habe, um der Möglichkeit eines Irrtums vorzubeugen, der ganz im Sinne jenes Vorstellungskreises das Werkverbot des Sabbaths im Siebtjahr auszuschalten unternahm. Wie die Thora es ja auch für angezeigt hält, das Sabbathgebot am Eingang des Tempelbaus sowie im Zusammenhang mit dem Gebot der Eltern- Verehrung zu unterstreichen, weil eine fehlerhafte Logik hier leicht Conflicte und Collisionen zu schaffen vermöchte. So die Ueberlieferung, die aber wiederum dem Schicksal nicht entgehen konnte, von תלמידים שלא שמשו כל צרכם in ihr Gegenteil verkehrt zu werden, so dass gerade das als erlaubt herausgelesen wurde, was die Thora mit besonderer Emphase zu verbieten für nötig befunden hatte. Man kann aber auch nicht daran vorübergehen, dass jene irrige Auffassung mit ausgesprochenem Empfinden für die Besonderheit des sprachlichen Ausdrucks der Thora zu Werke gegangen ist. Heisst es doch in der Thora nicht מחריש ומקציר תשבות oder, noch einfacher לא תחרוש ולא תקצור, und man kann nicht verkennen, dass in der von der Thora gewählten Ausdrucksform der Unterton eines zeitlichen Elements zum Durchbruch gelangt1). Von dieser Erkenntnis war es für die Pseudoüberlieferung nur ein Schritt zu der Auslegung: בזמן דאיכא חריש und — sie hat diesen Schritt offenbar auch in der Wirklichkeit getan. 1) Vgl. den In תוספות ד״רא״ש z. St. ד״ה בעי ר׳ יוסף citierten רמ״ה.