Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XI. (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- – (sequence 99)
- Language
- German
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79 das Säen einem Mizwazweck dient), so soll von dem Ernteverbot auch nur ein Getreideschnitt betroffen werden, der lediglich Privatzwecken dient; demnach bleibt das Omeropfer, das ja Mizwazwecke erfüllt, davon unberührt.“ Ist es schon schwer, die Auffassung R. Ismaels in den Thoraworten unterzubringen, so steht man der Auslegung R. Akibas vollends wie einem Rätsel gegenüber. Welche Berechtigung oder vielmehr, welcher zwingende Grund — denn nur ein solcher könnte doch diese ״gewaltsame“ Exegese rechtfertigen — liegt denn vor, die Schlussworte des Yerses aus ihrem Zusammenhang mit dem Yersanfang, der unstreitig von שבת בראשית handelt, zu reissen und das Schemittagebot, auf das kein Wort hinweist, in den Versgedanken hineinzupressen? Kann eine solche Exegese noch Anspruch auf logische Begründung erheben? Wer aber die Lehr- und Lernmethoden R. Akibas kennt, wird ihm zuallerletzt eine Neigung zu gewalttätiger Interpretation des Bibelworts Zutrauen mögen, die dem Schüler Nahum Isch Gamsu’s schlecht anstünde. Aber der Vorwurf, wenn er zuträfe, würde sich, allerdings in modifizierter Form, ja auch gegen die Auslegung des R. Ismael wenden. Denn die Einführung einer Beziehung auf die Omerernte bedeutet doch ein fremdes Element in dem sonst geschlossenen, homogenen Satzinhalt; und es muss zweifellos ein starker Zwang vorliegen, wenn diese Methode ihre Rechtfertigung finden soll. Eine aufmerksame Betrachtung des Verszusammenhanges an dieser Stelle, wie sie im folgenden versucht werden soll, fuhrt לפ״עד auf den richtigen Weg. Die Verse 18—24 geben offensichtlich einen gedrängt kurzen Katalog der drei Wallfahrtsfeste Pessach, Schabuoth und Sukkoth unter Betonung ihres Charakters als Jahreszeitenfeste. Man kann in der Unterstreichung dieses Motivs in der Festsymphonie vielleicht auch die logische Verbindung der Festvorschrift an dieser Stelle mit dem vorhergehenden Verbot jeder Berührung mit dem Götzendienst erkennen: waren den Götzendienern die Segnungen der Jahrezeiten Anlass zu entsprechenden heidnischen Cuitübungen; so soll im Gegensatz hierzu Israel allen Erntesegen nur auf den einig-einzigen Gott zurückführen und seine Freuden nur auf ihn beziehen. Um so auffälliger und störender wirkt aber in dieser systematischen Gliederung das eingeschobene Sabbathruhegebot.