Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- X. 1912 - 5673 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- – (sequence 429)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3486266-3486285--4529-3490897- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
365 Wundärzte waren wohl stets in der Posener Gemeinde vorhanden, wenn auch nur spärliche und gelegentliche Nachrichten• über sie vorliegen. So geschieht 1714 eines ״Judsei Chirurgi“ ErwähnuDg, ebenso im Jahre 1779; in diesem Jahrhundert, und zweifeilos noch unter polnischer Herrschaft, wandte sich die Posener Chirurgen-Innung in einer an den dortigen Magistrat gerichteten. Bittschrift gegen die den christlichen Wundärzten seitens der jüdischen Chirurgen gemachte Konkurrenz1). Auch in stidpreussischer Zeit geschieht einiger jüdischer Chirurgen Erwähnung2). Uebrigens scheinen die preussischen Behörden keine Ueberfüllung dieses Berufes gefürchtet zu haben, da sie bei ihrem Bestreben, die israelitische Bevölkerung vom Kleinhandel möglichst abzuziehen, darauf hinzuwirken suchten, dass י jüdische Knaben auch dem chirurgischen Fache zugeführt würden3). Zur Ausübung der zahnärztlichen Kunst in Meseritz erhielt ein jüdischer Bewerber 1797 die behördliche Genehmigung4). Der von Lewin gemachten dankenswerten Zusammenstellung der aus Grosspolen stammenden jüdischen Mediziner, welche an der Universität zu Frankfurt a. d. 0. studierten, wäre mindestens noch liinzuzufügen: 1810 Ludig Flies aus Grätz im Herzogtum Warschau, 24 Jahre alt, auf der Schule zu Glogau vorgebildet5). Obwohl nun nicht mit aller Sicherheit behauptet werden kann, dass alle diese Jünger der Medizin ihr Studium auch wirklich vollendeten und später den ärztlichen Beruf ausübten, so lässt es sich immerhin bezüglich der Mehrzahl derselben annehmen; auch bieten diese Listen einen, wenn auch kleinen, doch nicht ganz unwesentliehen Beitrag zur Familiengeschichte. Aus diesen Gründen lasse ich aus dem handschriftlichen Album der 1811 neugegründeten Uni- 0 Staatsarch. Pos.: D VII 108, Bl. 3b; Lib. b. ord. I, S. 619; daselbst D VII 160. 2) Das. Pos. C V, A 1, vol. 2, Bl. 56 und Pos. C V, Ba 5, BK 25b. ף Das. SPZ. Gen. A VIII 2. Bl. 93. 4) Geh. Staatsarch., Berlin: Gen. Dir. Stidpr. Ortscb., Nr. 964, BK 18. 5) Friedlaender a. a. O., S. 679. Vielleicht ist dieser Lud. Flies mit dem 1829 genannten Posener Arzt Dr. Lud. Flies identisch; jedenfalls war er ein Angehöriger der Doktorfamilie Flies, vgl. hier S. 364. Möglicherweise kämen noch in Betracht: 1694 Simon Abraham Lehmannus aus Meseritz in Polen und 1749 Elias Falkenhan aus demselben Orte. Das. S.230 und 371.