Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- X. 1912 - 5673 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- – (sequence 347)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3486266-3486285--4447-3490815- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
283 H. H. Mos6 Israel wünscht, dass man sich für ihn bei dem hiesigen Magistrat verwendet, damit ihm der Hansschilling, das ״.Grob“ und die sonstigen Abgaben erlassen werden. Er meint* man müsse ihn mit Rücksicht auf sein Prediger-Amt hiervon befreien. Isaq Senior Teixeira und Selomo Curiel übernehmen es* sich dieserhalb an die Deputierten des Magistrats zu wenden. Der genannte Chacham weist ferner auf rituelle Bedenken’ hin, zu denen die Schlachter Isaq Mendes und Isaq Jesurun Anlass geben, indem sie an Ochsen-Hintervierteln (faidras de bois> den Nikkur vornehmen, nachdem das Fleisch zerlegt worden. Er habe ihnen solches wiederholt verboten, indes ohne Erfolg. Jesurun wurde für dieses Mal in eine Mark Strafe genommen. Beide verpflichten sich, für den Fall, dass man wieder Fleisch bei ihnen findet, welches vor dem Nikkur zerlegt worden, eine Geldbusse von 4 Rt. zu zahlen. Sie verpflichten sich ferner, fortan alles Fleisch, bevor es zerlegt wird, durch den Bedicador der Gemeinde, Haim Saruco, untersuchen zu lassen; desgleichen, keine Hammel vom Schlachthause zu empfangen, bevor Saruco solche besichtigt und seine Marke anerkannt hat. -־ Die genannten beiden Schlachter klagen, dass sie dem Saruco die 360 Mark an Schächtlohn nicht zahlen können, denn es komme viel Fleisch von Altona und das wenige,, was sie verkaufen, reiche zu einer so grossen Ausgabe nicht hin. Die Sache soll erörtert und ihnen Bescheid erteilt werden, sobald das zeitweilig fehlende Vorstands-Mitglied wieder anwesend ist. In der Junta erschien H. H. Mose Israel in Begleitung zweier Sendlinge (selogim) der Gemeinde Lembrek (Lemberg?) in Polen. Dieselben, namens Jeuda B. Naftaly Haeoen und Reuben B. Semuel, überreichten authentische Briefe von vielen Chaehamim in Polen, in denen über die grosse Not und das schreckliche Elend berichtet wurde, welches über jene Gemeinde hereingebrochen war. Es heisst darin, dass die Studenten grosse Unruhen (bilbulim) angestiftet und, unter Vorzeigung gefälschter Briefe des Papstes, zwei Haupt- Synagogen zerstört, mehrere Sefarim zur Erde geworfen und zerrissen, sowie über 300 Familienväter (Balabatim) getötet haben! Der Vorstand, welcher mit den so grausam Betroffenen tiefes Mitleid empfand, liess durch den Schatzmeister sofort 25 Rt. für jene unglückliche Gemeinde und 3 Rt. für die Abgesandten auszahlen.