Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- X. 1912 - 5673 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- – (sequence 286)
- Language
- German
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den genannten vier Volksklassen gemeinsam. Das nachträgliche והם יבושו־ bezieht sich gar nicht auf die Genannten, es weist viel־ mehr auf die ausserhalb dieser Kreise stehenden Götzendiener hin: diese werden beschämt sein וישראל ישמחו. Wie reimt sich das zusammen? Die Hasser und Verächter der ת״ח kommen da zu ganz unverdienten Ehren, ohne dass wir den Grund einzusehen vermögen. Wir müssen annehmen, dass nach ß. Jehuda die drei an zweitel״ Stelle genannten Volkskreise den חרדים nicht feindlich entgegen treten, sondern an ihrer Seite stehen, um mit ihnen gemeinsam zur Verherrlichung des Allmächtigen beizutragen. Unbeschadet des Peschät wird hier zum Zweck der Deraschah in geistvoller Umdeutung das Prophetenwort benützt, um das Zusammenwirken aller Kreise des Volkes zur Förderung des Thorastudiums rühmend hervorzuheben. Die geistigen Führer des Volkes, die תלמידי חכמים, werden als חרדים אל דבר ה״ bezeichnet und das bedarf keiner näheren Erläuterung. Ihnen zur Seite als אחים, als jüngere ״Brüder“, stehen die בעלי מקרא, die ״Bibelkenner“, und um eine Stufe näher die שונים, die ״Mischnalehrer“. Diese Letzteren sind unter שונאיכם zu verstehen, wobei die in der Haggada so häufig geübte Vertauschung des שיץ שמאלית mit שי״ן ימנית in Anwendung kommt. Mit diesen שונים sind die bekannten תנאים gemeint, deren Aufgabe es war, den .genauen Wortlaut der gesamten Mischna sich anzueignen, um ihn im Lehrhaus im Beisein des Lehrers und der Schüler zu wiederholen. Solche תנאים oder שונים musste jedes Lehrhaus haben, so lange die Mischna nicht niedergeschrieben war. Sie waren ״lebendige Bücher“ und in zweifelhaften Fällen holte man sich bei ihnen Bescheid, z. B. B. Mezia 34 a unten. Ihr Stand erfreute sich grosser Wertschätzung und es ist undenkbar, dass man sie als ״Hasser“ der ת״ח bezeichnet haben sollte. Als שוני הלכות werden sie allerdings in Sota 22 a getadelt und מבלי עולם genannt, wenn sie sich anmassten, auf Grund ihrer Mischnakenntnis halachische Ent- Scheidungen zu fällen, aber als ״Mischnavorlerner“ werden sie daselbst מיישבי עולם genannt und in diesem lobenden Sinne werden sie auch an unserer Stelle den ודה als wertvolle Gehülfen an die Seite gestellt. So heisst es auch Erubin 21b: Die Sprossen des Weinstockes sind die בעלי מקרא, die Blüten sind die בעלי משנה, die reifen Früchte die בעלי נמרא.