Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- X. 1912 - 5673 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- – (sequence 284)
- Language
- German
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220 ferner ein Bestandteil der Kelter, nämlich das runde, schwere Hölzstück, welches zum Auspressen der Trauben benützt wurde. Dib עדשת erinnert daher durch ihren Namen einerseits an die Schweig־- samkeit, andererseits an dasjenige Getränk, welches das Meiischenherz erfreut und Jungfrauen beredt macht; vgl. Secharja 9, 17. Wir finden wohl einmal, Bezah 14b, dass im Hause des R, *Gamliel am Festtage Linsen zubereitet wurden, im allgemeinen galten sie, wie Hülsenfrüchte überhaupt, als Armenspeise; Kethuboth 67b, Bamidbar rabba P. 21, 25. Bei den Totenmählern der Römer wurden ebenfalls Linsen mit Salz aufgetragen (Hehn, a. a. 0. 176). Merkwürdig ist die Sitte der Muhammedaner, nach dem Besuche von Abrahams Grab in Hebron Linsen zu essen. Das soll, so heisst es zur Begründung dieser Sitte, deren Ursprung man nicht kennt, eine Erinnerung an die Gastfreundschaft Abrahams sein. Eine bestimmte Linsengattung führt sogar bei ihnen den Namen ״Chaliliscbe Linse“ von nChalil — Freund, sc. Gottes, wie Abraham bei ihnen genannt wird. Obige Begründung für das Essen von Linsen nach dem Besuche von Abrahams Grab findet schon ein frommer Muslim an- :stössig und sündhaft, denn sie denkt gar zu gering von der Gastfreundsebaft des Patriarchen, als ob er seinen Gästen Linsen vorgesetzt hätte, und widerspricht ausserdem dem ausdrücklichen Bericht der Thora; vgl. Goldziher, ZDPV XVII, Heft 2. Auffallend bleibt dabei, dass von Seiten des jüdischen Gelehrten nicht die einfache und so nahe liegende Erklärung für diese Sitte gegeben wird. Nach Talmud und Midrasch hat, wie oben erwähnt wurde, Jakob am Todestage Abrahams das Linsengericht bereitet, um seinem Vater die Trauermahlzeit zu reichen und ihn zu trösten. Wie so vieles aus Talmud und Midrasch ist auch dieses zu den Anhängern des Islam gedrungen und dadurch ist der Gebrauch entstanden, nach dem Besuche des Patriarchengrabes diese Speise zu gemessen. In späterer Zeit ist der eigentliche Ursprung der .Sitte in Vergessenheit geraten und das Volk hat sich eine willkürliche Begründung zurecht gelegt, die den Unwillen des frommen Muslims erregte. LV1II. B. Mezia 33 b wird, eine Deraschah des R. Jehuda b. Ilai mit- .geteilt, die an den Vers Jesajas 66, 5 anknüpft. Die Uebersetzurig