Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- X. 1912 - 5673 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- – (sequence 102)
- Language
- German
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38 stehen. Der Midrasch Haggadol, der allerdings die im Talmud aufbewahrten Deutungen ständig, bisweilen sogar auf Kosten des Sifre (s. Hoffmann, Midrasch Tannaim I, Einleitung S. VI) benutzty citiert Satz 2. Das נתכונה להזיק setzt nun aber doch voraus, dass die Worte והחזיקה במבושיו im Sinne eines היזק gewertet werden,. Wenn auch diese Auslegung den Fall auf בשת bezieht, ebenso wie die vorangehende, so hat sie doch ein neues Moment zur Geltung gebracht, das verstehen lässt, wie man jene andere Erklärung des Verses nicht als eine gegensätzliche anzusehen braucht. Was ספרי דבי רב, besonders אהלי יהודה und, ihnen genau folgend, S. B. Hirsch (Pentateuchkommentar z. St.) zur Erklärung des Maimonides bemerken, ״da das Problem gerade ein solches Beispiel wählt, das ebensowohl בשת als סכנה bewirken kann, gebietet das וקצותה וגר, die sich an anderen vergreifende Hand in jeder Weise unschädlich zu machen, buchstäblich, wenn סכנה vorliegt, durch Geldentschädigung, insofern בשת verübt worden“, würde danach die Auffassung des Bedaktors des Sifre selbst sein. In den Zusammenhang fügt sich Satz 2 vortrefflich, die Deutung schreitet von einem Teil des Verses zum anderen fort, ohne irgend etwas ausser acht zu lassen; das יכול עד שיהא מתכוין לבייש, das in dieser Fassung nur hier steht, passt gut. Aus dem והחזיקה במבושיו ergäbe sich in dieser Deutung, dass, wenn eine Schädigung wohl beabsichtigt, aber nicht ausgeführt wurde oder doch in keiner Weise gefährlich war, בשת in Betracht kommt; war aber ein gefährlicher Griff gesehehen, bezw. zu befürchten, dass eine Gefahr drohe, dann kam jene andere Deutung ergänzend in Betracht. Der Bedaktor des Sifre hätte danach mit Bewusstsein jenen von Hoffmann nicht ohne Grund im Sifre vermissten Satz T 1 weg־ gelassen. Etwa dem allgemeinen Sinne des Grundsatzes שאדם חייב לומר בלשון רבו (Edujoth I, 3) entsprechend, glaubte er jenen Satz entweder vollständig so, wie er lautet, mit dem ד״א oder gar nicht anführen zu sollen. Er zog den letzteren Weg vor, da der erste zu Missverständnissen hätte Veranlassung geben können, seines Erachtens aber das ד״א wohl eine andere, aber keine gegensätzliche Deutung darstellte. So angesehen, wäre also hier der Sifre der älteste Versuch, jene zwei Deutungen mit einander zu vereinbaren, und Maimonides war berechtigt, ihm zu folgen, selbst