Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- X. 1912 - 5673 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- – (sequence 101)
- Language
- German
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87 Schriftvers auf den Fall von רודף und auf jedes דבר שיש בו סכנה bezogen werden soll. Eine Deutung, die erst so ausführlich entwickelt werden muss, wie in 8 und 4 des Sifre, kann doch kaum als כמשמעו charakterisiert werden♦ Ich möchte daher fast vermuten, dass wir in dem כמשמעו eine Ansicht vor uns haben, die weder den דין von רודף noch בשת schlechthin (Babbi Akiba könnte z. B. an den Fall von רקקה בפניה und viele andere denken, die doch dem in dem Schriftvers genannten keineswegs gleichartig sind, sodass also das כמשמעו unter dieser Voraus- Setzung sagen würde, der hier in der Thora festgelegte דץ dürfe keineswegs auf jeden Fall von בשת bezogen werden) aus Deuteronomium XXV, 12 folgern möchte aus Gründen, die ja leicht zu verstehen sind. Wie ist nun aber der Sifre zu erklären? Man wäre fast versucht, zu glauben, er habe statt des ד״א des Midrasch Tannaim ר״א vor sich gehabt und darum die Deutung des וקצתה auf den רודף ohne weiteres an jene andere Erklärung Rabbis angeschlossen. Allein einmal stehen ja in unserem Sifre noch andere Worte (Satz 2) zwischen jenen Deutungen, die im Talmud, aber nicht im Namen Rabbis überliefert sind, sodann fehlen, wie Hoffmann gezeigt hat, nicht nur die Worte דיא im Sifre, sondern der ganze Satz, an dessen Spitze sie stehen, schliesslich und vor allem tradiert Sanhedrin 73a diejenige Auffassung, die den דין vom רודף (offenbar nicht aus Deut. XXV, 12) sondern aus einer anderen Quelle (Deut. XXII, 26 f) herleitet, als תנא דבי רבי (s. auch Sanhedrin 74 a). Einen Schlüssel zum Verständnis bietet Satz 2. Es mag fraglich sein, ob er ursprünglich im Sifre gestanden hat, — die alten Handschriften haben ihn, scheint es, nicht; dass der Jalkut ihn an dem betr. Orte, an welchem er den Sifre bringt, nicht mit anführt, dürfte noch nicht sicher machen, dass er in dem ihm vorgelegenen Sifre gefehlt hat, er könnte ihn möglicherweise weggelassen haben mit Rücksicht darauf, dass die Talmudstelle B. Kamma 27 a, die er weiterhin ausführlich mitteilt, ihn als Baraitba citiert (דתניא ממשמע וכד; s. a«, B. K. 35a: דאמי מר נתכוין להזיק), jedenfalls lässt er uns einen Uebergang und ein Ineinanderfliessen der einen Deutung in die andere ver-