Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- X. 1912 - 5673 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- – (sequence 88)
- Language
- German
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24 Linderung gewähren. Die Kriegszeiten beeinflussen seinen Gemüts־ zustand ungünstig, dabei wächst die Agenda seiner Tätigkeit als erster Oberjurist ständig. Gar häufig finden wir in seinen Responsen Klagen, er habe keine Zeit, sich mit Untersuchungen abzugeben, die für die praktische Halacha keinen Wert haben, er sei auch nicht mehr im Stande, wie einst, 3 — 4 Stunden über ein weitverzweigtes, halachisches Thema nachzudenken. Und dabei wuchs die Zahl derer, die von ihm religiöse Entscheidungen und Aufklärungen über schwie!ige Stellen aus dem Talmud oder den Dezisoren verlangten, von Tag zu Tag1). Dass man gerade ihn von allen Seiten mit Anfragen bestürmte, hat seinen Grund gewiss in der eleganten, leichtverständlichen Darstellung auch der schwierigsten Themen 2). Mitbestimmend mag seine ausserordentliche Vorsicht und Zurückhaltung in der Entscheidung ritueller Fragen gewesen sein, seine Bescheidenheit, die sich darin äussert, dass er z. B. gleich in der Einleitung bemerkt, dass niemand, dem nicht seine sachlichen Gründe einleuchten, sich in religiösen Entscheidungen auf seine Autorität stützen soll3). Die veröffentlichten Responsen R. Eie- *) Die Anerkennung, die R. Eleasar als Autorität in allen religiösen Fragen genoss, äussert sich in der grossen Zahl der Anfragenden aus allen, auch aussereuropäischen Ländern, sie äussert sich auch in den Namen der Anfragenden, deren viele zu den hervorragendsten Gelehrten ihrer Zeit gehören; man lese z. B. nur, was R. Bezalel Ranschburg in der Anfrage Nr. 29, was R. Baruch Jeiteles in der Anfrage Nr. 47 an und über R. Eleasar schreiben. Gleich gross ist auch die Anerkennung seitens nichtjüdischer Gelehrter, so nennt ihn P. Tirsch in der Approbation zu ״ : ע״ה ה״בder gelehrte Elossor Fleckeies“, in der zu ״ :ע״וו ה״גeruditione clarus Rabbinus״ und ״laudatus praedicator“, Carolus Fischer in der Approbation zu ע״ח ח״י־: »eruditione juxta ac editis scriptis clarus Rabbinus“ und vollends in seiner ״Gutmeinung über den Talmud der Hebräer“: »der von seinen Glaubensgenossen wegen seiner ausnehmenden Gelehrsamkeit, Sanftmut und Rechtschaffenheit geschätzt ist der schon Oberrabtiner in Mähren gewesen, und der dermalen als Präses des Prager Synedrium an der Spitze mehrerer gelehrten, rechtschaffenen und biederen Männer .... wie ein unerschütterlicher Fels dastehet, über welchen die verächtlichen ränkevollen Kaballen eines Sykophanten und Auswurfes der Menschheit nichts vermögen“. 2) Er ist ein Feind erkünstelter und gezwungener Interpretation (vgl. Resp. 353): ויש לי ליישב בחהק ושינזיא דהיקא אי; דרכי להשיב. a) Er charakterisiert sich selbst in einem Responsum an Baruch Jeiteles (Resp. 325): הגה נא ידידי מביר אותי בי לא חסיד אני ולא ם; אוהבי חומרות אנכי; freilich schreibt er,