Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- X. 1912 - 5673 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- – (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3486266-3486285--4170-3490538- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
6 geweckt; sein Ruf als Volksredner im besten Sinne des Wortes batte sich schon während seines Kojeteiner Aufenthaltes weit verbreitet. Wenn er auf der Durchreise eine Gemeinde berührte, so liess man ihn nicht wegziehen, ohne dass er eine Gastpredigt gehalten hätte1). Es sei bei dieser Gelegenheit gleich einiges über R. Eie״ asars Art zu predigen, über seine Derascha, gesagt. Vor allem wusste er jedem seiner Zuhörer etwas zu bieten; selbst der Ge״ lehrteste kam gerne zu seiner Derascha, denn er konnte gewiss sein, einen gut gewählten Text in sorgfältiger Ausarbeitung erklären und viele schwierige Zitate aus Talmud und Midrasch lichtvoll er״ läutern zu hören. R. Eleasar Fleckeies hatte seine Zuhörer ganz in seiner Gewalt, weil er sich ihnen und auch den zeitlichen und örtlichen Verhältnissen anzupassen verstand♦ Er verschmähte es nicht, in seiner Derascha am passenden Orte einen witzigen, er״ heiternden Einfall einzuflechten, verstand es aber jederzeit auch, in den härtesten und verstocktesten seiner Zuhörer die edelsten Gefühle auszulösen. Wenn er am ersten der Selichoth-Tage oder vor Kol-Nidre sprach, das Volk zu Busse und Einkehr aufforderte, da zerrissen seine Worte tatsächlich — wie der Prophet es fordert — das Herz der Hörer; wenn er um einen Verstorbenen Klage erhob (und das tat er so häufig2), musste er oft lange unter״ brechen, weil seine Worte trotz seiner klangreichen Stimme im lauten Schluchzen der Hörer untergingen♦ Die Wirkung seiner Worte erklärte sich aus ihrem Ursprünge — es waren Worte, die von Herzen kamen —, zweitens aus seiner bewunderungswürdigen Eloquenz und endlich aus dem Umstande, dass er oft lange ex״ temporierte, seine Worte daher völlig ursprünglich wirkten. So konnten Augenzeugen nicht genug erzählen von dem mächtigen Eindrücke, den es auf die versammelte Gemeinde machte, wenn R. Eleasar Fleckeles vor Kol Nidre langsam vor die Bundeslade in der Klaus trat und mit einer gewissen Feierlichkeit begann, die vielen Knöpfe seines weissen Mantels aufzuknöpfen; die Spannung stieg während dieser Minuten aufs höchste und wenn 1J Vgl. ,ע״ה ח, דתש ו. 2) Vgl. die erste Rede in קונטרס נפש דוד וחיה, wo es heisst: מיום שעמדתי ע״ד אדם פשר bv בהספדו hitynnh ♦אין דדב.