Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 592)
- Language
- German
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500 zwischen 1556 und 1568 zum Juden turne zurückkehrte und, wie es hiess, vor seinem Tode gegen Ende des sechzehnten Jahrh&nderts noch einmal das Christentum abschwor. Auch im nordöstlichen Teile des Reiches, in Lithauen, ver- (weitete sich 1539 das Gerücht von Proselytenmacherei der dortigen Juden, aber König Sigismund I. beeilte sich, sie von jegliebem Verdacht freizusprechen, und hatte den Mut, den ehemaligen Marannen Amatus Lusitanus, ״eine Leuchte der medizinisehen Wissenschaft“, der inzwischen offen zum Judentum übergetreten war, 1547 aus Ferrara an seinen Hof zu berufen. Frei־ lieh gab der Arzt dem Rufe keine Folge1). Von einem Falle gewaltsamer Proselytenmacherei in Posen weiss Lakaszewicz 2) zu erzählen. Aber der hier wörtlich wie* * dergegebene ]Bericht trägt offenkundig das Zeichen der Unwahrhaftigkeit an der Stirn: ״In der Osternacht (1663) rissen die Juden den Maurer Johann Kopacz aus seinem Hause in der Holzgasse, schleppten ihn in die Synagoge, beschnitten ihn gewaltsam, gaben ihm die zehn Gebote in die Hand und befahlen ihm nach jüdischem Ritus zu beten. Da er aber durchaus nicht zur jüdischen Religion übertreten wollte, so drückten sie ihn an die Wand und durchbohrten ihm Hände und Füsse mit eisernen Nägeln, und als er sich auch durch diese Marter in seinem Glauben nicht wankend machen liess, nahmen sie ihn von der Wand und tragen ihn halbtot nach Hause. Die Posener Schlossacten vom Jahre 1663, in welchen dieses Ereignis ausführlich beschrieben wird, enthalten zwar die Zeugenaussagen und die von Amtswegen veranlasste Besichtigung der durchbohrten Hände und Füsse seitens der Chirurgen und ähnliche Umstände, aber weder den weiteren Verlauf des Proeesses noch das in demselben gefällte Urteil, noch auch die geringste Andeutung, dass die Sache weiter verfolgt worden sei“. Mit dem Jahre 1713 betreten wir wieder festeren Boden. Hier setzen die Listen der ״heiligen Bruderschaft“ in Flatow3) *) Jewish Encyclopedia IX 563, VIII 121, Vogelstein-Rieger, Geschichte der Juden in Rom II, Berlin 1895, S. 257. *J (fistorisch-statistisches Bild der Stadt Posen, übersetzt von Tiesler, II, Posen 1878, S. 258t י) Jetzt Im Gesamtarchiv der deutschen luden zu Berlin.