Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 569)
- Language
- German
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477 ochus diese Bitte vorzutragen und noch obendrein ein so kostspieliges Versprechen zu machen. Welches Interesse hatte Antiochus daran, die Errichtung des Gymnasiums zu verbieten? Wir finden überhaupt nirgends, dass bis auf Antiochus Ephiphanes irgend ein fremder Souverän das Recht für sich in Anspruch nahm, sich in die internen Angelegenheiten der jüdischen Nation einzumischen. Kein Herrscher verlangte mehr als den Tribut; dass aber irgend ein auswärtiger König eine Angelegenheit wie die Errichtung des Gymnasiums von seiner ausdrücklichen Genehmigung sollte abhängig gemacht haben, ist durchaus nicht anzunehmen. Vollends Antiochus Ephiphanes, der besonders eifrige und begeisterte Gönner der Hellenen, wäre sicherlich der letzte gewesen, der die Einführung griechischer Sitten in Palästina missbilligt hätte. Jason holte sich vielmehr bei Antiochus die Genehmigung ein und versprach ihm dafür eine grosse Summe Geldes, weil er sich der königlichen Unterstützung bei der Ausführung seines Planes vergewissern wollte. Er wusste wohl, dass er unter der glaubenstreuen Bevölkerung einen Sturm der Entrüstung entfesseln würde, dem er sich mit seinem verhältnismässig geringen Häuflein nicht gewachsen fühlte, und wollte durch ein königliches Dekret Vorbeugen. Hatte er auch durch den enormen Preis für das Hohepriestertum Antiochus für die Tobianer gewonnen, so durfte er darum noch lange nicht hoffen, dass dieser bei der Er- Öffnung des Gymnasiums und der zu befürchtenden Opposition des Volkes direkt für ihn eintreten werde, da Antiochus keineswegs daran dachte, den Juden eine Einrichtung aufzuoktroyieren, die sie aufs nachdrücklichste verdammten. Bios seine unersättliche Geldgier, die nicht einmal vor seinen eigenen Landesheiligtümern Halt machte, warf ihn den Tobianern in die Arme und bewog ihn, ihren Wünschen zu willfahren. Doch tat er nie mehr, als von ihm ausdrücklich verlangt wurde, und hätten die Tobianer das Gymnasium in Jerusalem auf eigene Verantwortung erbaut und dabei den energischen Widerstand der Bevölkerung provoziert, so wäre rein politische und hat demgemäss nur diejenigen erfasst, welche von den neuen Verhältnissen Nutzen zu ziehen hofften. Dies waren die Tobianer und ihre Beamten.