Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 568)
- Language
- German
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476 samsten Massregeln zum Abfall zu nötigen. Gross war der Sieg, den sie über das Volk davontrugen, doch ihr Erfolg nur minimal, da ihre Macht eine ephemere und allen Wechselfällen ausgesetzt blieb. Solange der überwiegend grösste Teil des Volkes der althergebrachten, geheiligten Lebensweise huldigte und ihr mit ungetrübter Einmütigkeit zugetan blieb, war ein erfolgverheissender Gegenstoss seinerseits, die ihm gebührende Souveränität zurückzuerobern, nicht nur möglich, sondern als sicher vorauszusehen. Die einzige Bürgschaft für die Dauer ihres ßegiments bot allein die zwangsweise Bekehrung des Volkes zu ihren eigenen Gewohnheiten, wodurch natürlich die zwischen ihnen und der Nation bestehende Kluft ausgefüllt und die noch Vorhändenen Gegensätze nivelliert worden wären. In dieser Erkenntnis waren sich alle Tobianer einig, nur gingen ihre Ansichten über die Mittel, welche zu diesem Ziele führen sollten, auseinander. Die Tobiassöhne und der spätere Hohepriester Menelaus verlangten radikale Mittel. Die Mehrzahl der Tobianer jedoch, zu der Jason selbst gehörte, plädierten für relativ mildere Massregeln, und da Jason die Verhandlungen führte, leitete er die Aktion in seinem Sinne ein. ״Ausserdem“, berichten die Makkabäer (4, 9) über die Unterredung zwischen Jason und Antiochus weiter, ״versprach er (der erstere) noch andere 150 Talente zu verschreiben, wenn es ihm gestattet würde, ein Gymnasium und eine Ephebie (Uebungsplatz für Knaben und Jünglinge) zu errichten und die Einwohner von Jerusalem als Antiochenser einzutragen“. Diese mit schwerem Golde bezahlte Bitte Jasons um die Erlaubnis zur Erbauung eines Gymnasiums in Jerusalem drängt uns die Erkenntnis auf, dass die Tobianer nur eine kleine Minderheit ausmachten, und dass dagegen das Volk in seiner Hauptmasse mit der vollen Glut seiner Ueberzeugung dem heiligen Gesetze und der altjüdischen Sitte ergeben war 1). Ohnedies lässt sich durchaus nicht begreifen, was Jason zwingen mochte, Anti- נ) Es Ist eine notwendige Folge seiner verkehrten Auffassung, die wir eingangs ausführlich widerlegt haben, wenn Wellhausen (S. 250) pathetisch schreibt: ״Alle hielten die Zeit für gekommen, die lästigen und barbarischen Bräuche abzulegen .... Die Frommen waren durchaus in der Minderheit, eine unbedeutende Sekte״. Die Bewegung ist keine religiöse, sondern eine