Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 567)
- Language
- German
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475 Antiochus, zum Hohepriester proklamiert und damit naturlieb, wie die Dinge zur Zeit lagen, unumschränkter Herr in Palästina geworden. IX. Dass das Regierungssystem in Judäa durch den Uebergang der Gewalt an die Tobianer ein ganz verändertes Gepräge erhalten musste, versteht sich von selbst. Die jüdische Religion greift ganz entschieden in alle sozialen, rechtlichen, Wirtschaftliehen und politischen Verhältnisse des Staates ein. Dementsprechend war auch der ganze Organismus des staatlichen Lebens in Judäa aufgebaut. Die religiösen Vorschriften kamen in allen Staatliehen Einrichtungen lebendig verkörpert zum Ausdruck. Von einem solchen Gesindel wie die Tobianer, welche Mord in den Strassen Jerusalems verübten und sich nicht scheuten, selbst an Hohepriester und Könige Hand anzulegen, weil diese ihre verruchten Pläne zu durchkreuzen trachteten, liess sich überhaupt nicht die Leitung eines geordneten Staatswesens erwarten, am wenigsten aber eines solchen, dessen Prinzipien ihr privater Lebenswandel durchaus zuwiderlief. Ueberdies zwang sie eine politische Notwendigkeit, die ganze Nation durch die gewaltmotiviert, dass er die Schandtaten des Menelaus hört und ihn verklagen will, sondern nur dadurch, dass seine Ermordung dort stattfinden soll•11 Diese Ausführungen sind mit dem Bericht in dem Makkabäerbuch vollkommen unvereinbar. Es kann gar nicht deutlicher als an der angegebenen Stelle gesagt werden, dass Onias nur deshalb nach der Freistatt Daphne geflohen sei, um vor Nachstellungen sicher zu sein, da er den Menelaus habe verklagen 'wollen. So deutlich wie möglich wird ferner erzählt, dass Onias nicht in Daphne, sondern in Antiochien umgebracht worden sei, und dass Andronikus, der ihn umbringen wollte, ihn zuerst aus der Freistatt Daphne habe herauslocken müssen. Der diesbezügliche Berieht der Makkabäer (4, 32 ff.) lautet folgendermassen: ,Da glaubte Menelaus eine günstige Gelegenheit erlangt zu haben und schenkte dem Andronikus einige goldene Geräte des Tempels, die er entwendete, andere aber verkaufte er nach Tyros und den umliegenden Städten. Onias, der dieses mit Gewissheit erfuhr, klagte ihn an, nachdem er an einen sicheren Origeflohen war, nach Daphne, in der Nähe von Antiochien. Deshalb nahm Menelaus den Andronikus bei Seite und redete ihm zu, den Onias zu töten. Dieser ging zum Onias, überredete ihn mit List, gab ihm die Hand mit einem Eidschwur und, ob er ihm gleich verdächtig vorkam, beredete er ihn dennoch, aus der Freistatt herauszugehen, worauf er ihn sogleich umbrachte, ohne Scheu vor dem Rechte.“