Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 565)
- Language
- German
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473 über die Gründe der Untat vermögen die Historiker bislang keine Auskunft zu geben, da die Gründe, wie es scheint, völlig im dunkeln liegen. So führt Niese in seiner ״Geschichte der griechischen und makedonischen Staaten* (III, 91) zur Ermordung des Seleukus aus: ״Seleukos IV. nahm bald ein gewaltsames Ende. Er ward von dem oben genannten Heliodorus ermordet (176/5 v.). Ursachen und nähere Umstände sind unbekannt. Es scheint, dass sich am Königshofe Parteien gebildet hatten, dass Heliodorus in Ungnade gefallen war und nun, um sich und sein Amt zu retten, den König beseitigte“. Der oben zitierte Makkabäerbericht gibt indes über die Gründe völligen Aufschluss. Die beiden Tatsachen, dass Jason dem Hohepriester Onias auf dem Fusse nach Antiochien gefolgt war, sowie dass Seleukus bald nach Jasons Ankunft in Antiochien ermordet worden ist, gehören unbedingt zusammen. Seleukus hatte die Freundschaft mit dem jüdischen Volke als Erbe überkommen und bewahrte sie seine ganze Regierungszeit hindurch mit unentwegter Aufrichtigkeit, zumal ihm die Juden nicht den geringsten Anlass zu Beschwerden gaben. Es war somit vorauszusehen, dass er die Bitten des Onias ungesäumt gewähren und in Jerusalem gegen die Tobianer einschreiten würde. Wollten diese daher der ihnen drohenden Gefahr Vorbeugen, so mussten sie einen ähnlichen Gewaltakt in der syrischen Residenz versuchen, wie sie ihn täglich in der heiligen Stadt begingen. Ihr Unter• nehmen wurde noch dadurch bedeutend erleichtert, dass auch Heliodorus, wie Apollonius, der Statthalter von Cölesyrien und Phönizien, in ihren eventuellen Sturz mit hineingezogen worden wären. Die Appellation des Hohepriesters an den syrischen König betraf sogar vielleicht weniger die Tobianer, welche das Volk auch ohne fremde Hilfe überwinden konnte, als hauptsächlich deren Helfershelfer Apollonius und Heliodorus, welcher letztere, wie aus seiner Haltung in Jerusalem hervozgeht, sich von Apollonius in das Interesse der Tobianer hineinzieben liess. So führten die Umstände selbst diese drei Faktoren zu einem blutigen Bunde zusammen, dem der König Seleukus zum Opfer fiel. Niese fühlte wenigstens die Mißstimmung zwischen dem Hohepriester Onias und Heliodorus bei dem Aufenthalte des letzteren in Jerusalem heraus, wenn er auch den notwendigen