Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 564)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3486266-3486283--4067-3490434- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
472 dass ihnen ein Erfolg nur durch ein wahres Wunder abgerungen werden konnte. Nachgeben oder Zurück weichen kannten sie nicht; ein zeitweiliger, scheinbarer Rücktritt bedeutete nur Sammlung frischer Kräfte und Erfindung neuer Mittel. Und es bedurfte nicht langen Harrens oder weitschweifiger Ueberle־ gungen, um diese Mittel zu ersinnen, da es ihnen auf deren Würdigkeit nie ankam, ihre vollendete Skrupellosigkeit vielmehr auch an dem ruchlosesten und verdammenswertesten keinen Anstoss nahm♦ Noch ehe der Hohepriester Onias Zeit gewann, sich zu besinnen und den unterbrochenen Versuch zur Vollendung seines grossen Werkes wieder aufzunehmen, setzten die Tobianer eine ganze Reihe von neuen diabolischen Künsten in Bewegung. ״Der vorbenannte Simon aber, ״fahren die Makkabäer (IV, 1 ff.) zu erzählen fort, ״der Verräter des Schatzes und des Vaterlandes, verleumdete den Onias, als wäre er es gewesen, der den Heliodorus geschlagen und sein Unglück veranlasst hatte. Er wagte es, den Wohltäter der Stadt, den Beschützer seiner Volksgenossen, den Eiferer für das Gesetz, einen Empörer gegen die Regierung zu nennen. Da nun die Feindschaft so weit ging, dass sogar durch einen der Günstlinge des Simon Mordtaten verübt wurden, erwog Onias die gefährlichen Folgen dieses Zwistes und die Wut des Apollonius, des Statthalters von Cölesyrien und Phönizien, der die Bosheit Simons unterstützte; deshalb begab er sich zum Könige, nicht als Ankläger seiner Mitbürger, sondern aus Rücksicht für das allgemeine Wohl des ganzen Volkes und für das des einzelnen. Denn er sah, dass ohne die Vorsorge des Königs kein Friede in die öffentlichen Angelegenheiten kommen könnte, und dass Simon von seiner Torheit nicht ablassen würde. Nachdem aber Seleukus gestorben war und Antiochus, zubenannt Ephiphanes, das Reich übernommen, erschlich Jason, der Bruder des Onias, das Hobepriestertum dadurch, dass er dem Könige bei einer Unterredung 660 Talente Silbers und von gewissen anderen Einkünften 80 Talente versprach." In diesem Bericht wird vom Tode des Seleukus wie von einem natürlichen erzählt; es ist jedoch bekannt, dass er von Heliodorus ermordet worden ist, demselben Heliodorus, den er nach Jerusalem geschickt hatte, um Simons Angaben über die herrenlosen Summen im Heiligtume zu untersuchen. Allerdings