Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 561)
- Language
- German
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469 Diese wenigen Zeilen illustrieren am deutlichsten die Tendenz des Josephus, die Wahrheit über die Tobianer zu verschieiern. Der Jüdische Krieg“ ist vor den ״Altertümern“ geschrieben. Trotzdem hält es Josephus durchaus nicht für nötig, uns einen klaren, umfassenden Begriff von dem Konflikt zu geben, der das Vorspiel zu den dreissig Jahre tobenden Makkabäerkämpfen wurde. Er leitet das Werk damit ein, dass die Vornehmen des Landes über den ״Machtvorrang“ in heftigen Streit gerieten. Wer waren aber diese Vornehmen, welcher Natur war dieser ״Machtvorrang“, warum brach gerade damals der Streit aus? Wir hören weiter, dass die Söhne eines uns ganz unbekannten Tobias durch den Hohepriester aus der Stadt gewiesen worden seien. Warum traf aber gerade die Söhne des Tobias das Los der Verbannung? Wie kommt es, dass der Hohepriester durch den Streit in Mitleidenschaft gezogen wurde? Strebten etwa die Söhne des Tobias, welche nach Josephus einer Priesterfamilie nicht angehörten, nach der Würde des Hohepriestertums? Für uns sind alle diese Fragen längst beantwortet. Wir kennen auch bereits die Absicht, welche Josephus zur Verdunkelung des wahren Sachverhaltes bewogen hat. Was uns diesen Bericht besonders wichtig macht, ist die darin deutlich hervortretende Tatsache, dass Onias den energischen Entschluss gefasst hatte, der Willkürherrschaft der Tobianer ein rasches und sicheres Ende zu bereiten und diesen Entschluss auch in die Tat umzusetzen wusste. Schon sein erster Vorstoss richtete sich gegen den Herd des Uebels, gegen die Tobiadenfamilie, welche er nach einem harten, erbitterten Kampfe aus der Stadt vertrieb. Die Tobiassöhne waren zwar infolge ihrer notorischen Unfähigkeit zur Uebernahme einer führenden Bolle in der Partei wenig qualifiziert. Nichtsdestoweniger lag es in der Natur der Sache, dass bei ihnen der Schwerpunkt des gesamten Parteigetriebes ruhen musste. Sie bildeten durch ihren unermesslichen Beichtum, durch ihre exponierte Stellung als Verwandte des hohepriesterlichen Hauses, wie durch ihren Vorzug als Söhne Josephs, welcher die dominierende Machtstellung der Partei begründet hatte, den Mittelpunkt, um den sich alle Angehörigen der Partei scharten und von dem aus sie ihre Direktiven erhielten. Sobald das einigende Band durchschnitten wurde, erlahmte die Kraft der Partei und Onias ge-