Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 551)
- Language
- German
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459 zu zerstreuen. Vielmehr muss sich diese Ermahnung auf die voraufgehende Zeit beziehen, auf die Tage des Pächters Joseph und seiner Söhne, auf die Periode Onias’ und Simons II., als es noch zwar zu keinen Verfolgungen gekommen, die Ordnung aber bereits aufgelöst war. Damals erteilte Jose ben Joeser den Weisen seiner Zeit die obige Lehre, die auch von den Weisen der folgenden Geschlechter zur Richtschnur genommen wurde1״). VII. Ungefähr 16 Jahre schwelgte Joseph in ungetrübtem Glück . und Wohlbehagen; seinen Reichtum sah er täglich anschwellen, sein Ansehen am königlichen Hofe immer mehr wachsen und seine Macht immer festere und breitere Wurzeln schlagen« Er verschwendete seine kostspieligen Geschenke an den König und dessen Hofleute nicht unnütz. Die sonst wankelmütige königliche Gunst wusste er derart an sich zu fesseln, dass ihn die Vornehmen aus den syrischen Städten ungemein beneideten und seinen Fall sehnlichst herbeiwünschten 2). Während er aber sein Glück für unwandelbar halten und auf dessen Sicherheit und Dauer bauen zu dürfen glaubte, schlich sich ganz unerwartet die Zwietracht, welche der Rivalität der Brüder entsprang, in seine eigene Familie ein und verdüsterte sein Alter. Der jüngste Sohn, namens Byrkanus, war ein getreues Ebenbild seines Vaters, schlagfertig, schlau, gewandt im Auftreten, seine Brüder dagegen trag, unfähig und ohne jeden Zug von Vornehmheit, wie sie eine exponierte Stellung in der Regel verleiht. Joseph liebte sein Ebenbild sehrund bevorzugte ihn auch auf Kosten der anderen Söhne. Hierdurch provozierte er aber deren Eifersucht und Hass gegen seinen Liebling, von dem sie nicht mit Unrecht dereinst verdrängt za werden fürchten durften. Solange der Vater die schirmende Hand über ihn hielt, grollte der Hass in den Gemütern der Brüder, ohne sich in positiven Handlungen Luft machen zu können. Als jedoch anlässlich einer Reise des Hyrkanus nach Aegypten sein hochfahrender Sinn ruchbar wurde und daraufhin die väterliche Liebe in heftigen Zorn und Grimm umschlug, da erschienen auch die Brüder auf dem Plan und begannen ihn offen ף Doroth Harischonim lc, daselbst 2) s. Jos» Alt. XII, 4, 5 und 9.