Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 546)
- Language
- German
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464 ständen in der Hauptstadt und ihrer Umgebung. Wir wollen uns nicht in eine Erörterung der Frage einlassen, ob die Er- Zahlung aus dieser Zeit stammt oder einer etwas späteren angehört. Selbst eine phantastisch angehauchte Schilderung, namentlieh wenn sie historisch beglaubigte Tatsachen zum Untergründe hat, knüpft an Zeiten und Personen an, die in das Gewand, mit dem man sie umhüllt, sich hineinfinden, dem Bilde, welchem sie als Rahmen dienen, sich in der einen oder andern Form anpassen können. Von dem Tobiassohne und seinen Kreaturen wird man derartige Verherrlichungen nicht einmal dichten. Auch der von Simon dem Gerechten eingeleitete materielle Wohlstand setzte sich nach dem Zeugnisse des Aristäus über die günstige wirtschaftliche Lage Judäas, unter Antigonus und Eieasar, wie unter ihren Nachfolgern, Eleasars Oheim Manasse, der ihn im Hohepriestertum, und dem Schüler des Antigonus, der ihn im Präsidium des Synhedriums ablöste, Jose, Sohn Jochanans aus Jerusalem, glücklich fort und ermunterte zu frohen, verheissungsvollen Ausblicken in die Zukunft. Da trat plötzlich um das Jahr 2261) im zwölften Amtsjahre Joses, des Sohnes Jochanans, der Tobiade Joseph dazwischen und zerstörte mit brutaler Gewalt alle Hoffnungen. VI. Somit sind wir wieder an dem Punkte angelangt, von welchem wir ausgegangen sind, nämlich vor der plötzlichen Erstehung der Tobianerpartei. War im vorstehenden die Bildüng der Partei Gegenstand unserer Behandlung und sind wir dabei, der Natur der Sache gemäss, im wesentlichen fast nur rein kritisch verfahren, indem wir bald die alten Ansichten zu widerlegen, bald die überzeugende Kraft unserer neuen Auffassung der Dinge zu erhärten suchten, so liegt es uns nunmehr ob, in der Hauptsache rein geschichtlich, eine Darstellung der Begebenheiten zu liefern, welche sich aus der neuen Situation ergeben haben. Diese Darstellung wird unsere neugewonnene Auffassung vom Wesen der Tobianer veranschaulichen und zugleich auch befestigen. Die geschichtlichen Ereignisse werden *) Siehe Doroth Harischonim Ic, S. 146—161. Stark, Gaza und die philistaische Käste, S. 416, nennt das Jahr 229; genauer ist indes 226.