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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1912-01-01 · IX. 1911 - 5672 (1912) · page 543

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
IX. 1911 - 5672 (1912)
Date
1912-01-01
Page
– (sequence 543)
Language
German
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451 Volke ein wolkenschweres Gewitter, das eine gefährliche Krise heraufbeschwor. Es ist dies die Katastrophe vom Jahre 320. Ptolemäus Lagi überrumpelte an einem Sabbath die Stadt Jerasalern und führte dabei mehr als hunderttausend Männer und Kranen in die Gefangenschaft. An diese traurige Episode knüpft der Grieche Agatharchides eine spöttische Bemerkung gegen das Judentum, die von neuem erkennen lässt, wie sich die gesamte Bevölkerung Palästinas in den ursprünglichen jüdischen Geist wieder hineingefnnden hatte. ״Die sogenannten Juden“, zitiert Josephus (c. Ap. I, 22), ״bewohnen die festeste aller Städte, und es nennen die Einwohner sie Hierosolyma, Dieselben sind gewohnt, am siebenten Tage müssig mr sein und an diesem Tage weder die Waffen zu führen noch sich mit dem Landbau zu beschäftigen noch irgend eine andere Arbeit zu besorgen, sondern in ihren Heiligtümern mit ausgestreckten Händen bis zum Abend zu flehen• Als nun Ptolemäus, Lagus Sohn, mit seinem Heere in die Stadt einrückte, und jene Leute, statt die Stadt zu verteidigen, in ihrer Torheit verharrten, erhielt ihr Vaterland einen harten Herrn, das Gesetz aber wurde einer schlechten Anordnung überführt.״ Agatharchides ist hier ein kleiner Irrtum unterlaufen, für den er natürlich nicht verantwortlich gemacht werden kann, da er mit den jüdischen Verhältnissen nicht vertraut war. Die Juden haben nicht, wie er meint, den ganzen Sabbath mit gen Hirnmel gehobenen Händen Gebete verrichtet, sondern sich mit dem Studium der heiligen Lehre beschäftigt. Von altersber herrschte der Brauch bei den Juden, den Sabbath, wie den Neumondstag, ausschliesslich der Thorapflege zu weihen1). Man versammelte sich frühmorgens in den Lehrhäusern und weilte da den grössten Teil des Tages, einzig und allein dem Studium des Gottesgesetzes sich hingebend. Die Juden Jerusalems, welche Ptolemäus Lagi am Sabbat überrumpelt hatte, lagen ebenfalls der schönen Pflicht des Thoralernens ob. Indes, wie dem auch sei, jedenfalls bezeugt doch die weihevolle Arbeitsruhe sowohl, welche die Juden Palästinas nach den Angaben des Agatharchides beobachteten, wie besonders ihr Verhalten gegenüber Ptolemäus eine beispiel- *) Vgl. 11. Könige 4, 22 und ausführlich Doroth Harischonlm I c, S. 325 f.

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