Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 542)
- Language
- German
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450 lästina, konstituierten, und die ohne jeglichen Widerspruch sofort ungeschmälerte Autorität1) bei der ganzen Judenheit erlangte, darauf hin. Obgleich das Unternehmen einen rein religiösen Charakter trug, lehrte doch die Erfahrung, dass man in Palästina sehr sorgfaltig zu Werke gehen musste. Jede Aktion konnte im Keime erstickt werden, sobald es den zahlreichen unversöhnlichen Feinden rings um Judäa, die eine Konsolidierung der Lage in Palästina mit aller Gewalt hintertreiben wollten, einfiel, dagegen zu arbeiten. Um solche und ähnliche Quertreibereien von vornherein zu verhindern, erwirkten sie vom persischen Könige und seinen Räten ein Privileg, das in Form eines direkten Auftrages gehalten war und dem zufolge, wie aus dem im Esra-Buche (7, 11— 27) erhaltenen Dekret ersichtlich ist, Esra nicht als Initiator, als Schöpfer der Idee erscheint, sondern als Mandatar, der den Willen des Grosskönigs und seiner Räte zu vollstrecken hat2). Mit derartigen Vollmachten versehen, entledigten sich diese Gelehrten ihrer Aufgabe in einer Weise, die den Erwartungen vollauf entsprach. Durch ihre zweckmässigen Einrichtungen und Ver- Ordnungen wurde Palästina wieder, wie in der alten Zeit, eine gesegnete Stätte der Thora Weisheit und Gottesfurcht. Die unsicheren Elemente, die wenigen Unverbesserlichen, welche der zügellosen Freiheit nicht entsagen konnten, mussten sich eine freiwillige oder gar gezwungene Verbannung auferlegen. Sie wandten sich meistens nach Samarien, wo sie willkommene Aufnahme fanden. ״Der Tempel auf dem Berge Gerizim aber“, berichtet Josephus (Alt. XI, 8, 7), ״blieb bestehen, und wenn nun zu Jerusalem jemand des Genusses verbotener Speisen, der Entheiligung des Sabbats oder eines anderen Vergehens angeklagt war, floh er zu den Sikimitern und behauptete dort, ungerecht beschuldigt zu sein. Um diese Zeit starb auch der Hohepriester Jaddus (Grossvater Simons des Gerechten) und es folgte ihm in der Würde sein Sohn Onias.“ Nach einer längeren Ruhepause, infolge deren das Land mächtig emporblühte, entlud sich plötzlich über dem jüdischen *) S. Esra 10, 7 und 9. 2) S. Doroth Harischonim 1 c, S. 654.