Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 541)
- Language
- German
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449 bisher gesehen haben, dartun, dass die Tobianer ausschliesslich politische Ziele verfolgt haben. Vor der Ankunft Esras, Nehemias und der ״heiligen Fürsten“ waren die religiösen Verhältnisse im heiligen Lande eine Zeit lang zerrüttet und zerfahren; doch diese Männer schufen grundlieh Wandel. Sobald die jüdischen Führer Babyloniens einsahen, dass die Besiedlung Palästinas wuchs und dass berechtigte Hoffnung für das Aufblühen des Landes vorhanden war1 *), hielten sie es für geraten, dem Innenleben ihrer palästinensischen Bruder grössere Sorgfalt zuzuwenden. Die Israeliten in Palästina vermochten bei der bis dahin relativ geringen Zahl der Einwohner, die überdies in ihren ursprünglichen Heimatorten zerstreut wohnten2)? und infolge der sich daraus ergebenden drückenden wirtschaftlichen Not3) noch nicht, aus eigenen Kräften und Mitteln etwas Durchgreifendes ins Werk zu setzen. Alle Initiative, jeder Versuch einer religiösen Regeneration musste von Babylonien ausgehen und mit selbständigen Mitteln durchgeführt werden, da dort in der Epoche des zweiten Heiligtums der Kern des jüdisehen Volkes sass4). Als man nun bei den babylonischen Juden eine derartige Sanierung der Zustände in Judäa ins Auge fasste, wurden zu Vollziehern dieser hochwichtigen Mission Esra und eine betrachtliehe Anzahl anderer Thoraweisen 5) ausersehen, die, wie aus dem Buche Esra hervorgeht, zur Unterscheidung von den profanen Fürsten, den politischen Verwaltern des Landes, ״heilige Fürsten“ genannt werden können6). Vielleicht sah man bereits in Babylonien die Errichtung einer für die gesamte Judenheit autoritativen religiösen Behörde vor, durch welche dem heiligen Lande der alte Glanz und der alte Vorrang wieder verschafft würde. Wenigstens weist die Körperschaft der ״Männer der grossen Ver- Sammlung“, zu der sich Esra und seine Begleiter, vielleicht noch in Babylonien oder mindestens gleich nach ihrer Ankunft in Pa- ף Siehe Doroth Harischonim I c. S. 652 und 11, S. 172. *) S. Esra 2, 40 und Nehemia 7, 43. 3) S. Nehemia 5,1. 4) S. Doroth Harischonim 1 c, S. 90-148 ־ und II, S. 162—252. *) S. Doroth Harischonim I c, S. 656. 6) Daselbst Jahrbuch J. L. Gr. IX, 29