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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1912-01-01 · IX. 1911 - 5672 (1912) · page 540

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
IX. 1911 - 5672 (1912)
Date
1912-01-01
Page
– (sequence 540)
Language
German
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448 Methode Ben Sirachs ein, so erhalten wir als Resultat das gerade Gegenteil von dem, was Grätz herausgetüftelt hat. Sirach ist im Gegensätze zu Salomo, dessen Sprüchen er sein Werk nachgebildet hat, sehr redselig. Statt eines oder zweier kerniger, packender Sätze gebraucht er meistens eine lange Reihe, da es in seinem Wesen liegt, jeden Gedanken in verschiedenen Variationen und von verschiedenen Gesichtspunkten aus zu erörtern. Zudem begnügt er sich nie mit einer Erörterung an einer einzigen Stelle. Jede Sentenz wird — in dieser Hinsicht ist seine Schreibart derjenigen Salomos conform — mindestens dreimal an verschiedenen Stellen wiederholt. Nur die Mahnung über das unnütze Reflektieren tut er in zwei Versen ab, ohne nochmals mit einer Silbe darauf zurückzukommen. Wäre das philosophische Grübeln wirklieh ein Krebsschaden der Zeit, ein tiefeingewurzeltes Uebel, das am Mark des Volkes zehrte, dann dürfte Sirach, der unzählige Eventualitäten des menschlichen Daseins in den Kreis seiner Betrachtungen zieht, unmöglich an dieser überaus wichtigen Erscheinung so gleichgültig vorübergehen. Er hätte sowohl auf das schädliche Nachsinnen selbst, wie auf die destruktiven Lehren, welche solches Unheil im Volke anstiften, immer wieder in den verschiedensten Wendungen zurückkommen müssen. Diese auffallende Tatsache, dass Sirach das Forschen über verborgene Dinge mit einer einzigen kurzen Bemerkung, nur wie vorübergehend, streift, liefert den unumstösslichsten Beweis dafür, dass es zu seiner Zeit ausgesprochene Zweifler an der Heiligkeit und Göttlichkeit der jüdischen Religion unter der Bevölkerung Palästinas überhaupt nicht gab. V. Nachdem wir die Haltlosigkeit aller Beweise für den Einfloss der hellenistischen Weltanschauung auf die Juden Palästinas dargelegt haben, wollen wir nunmehr die im ersten Kapitel angedeutete Behauptung, dass die religiösen Zustände in Palästina vor dem Auftreten Josephs mustergiltig waren, durch einen knappen geschichtlichen Rückblick über diese Zeit und einige daran sich knüpfende Betrachtungen näher beleuchten, um daran eine Erörterung der historischen Ereignisse während der Tobianer-Aera selbst anzuschliesen, die uns noch deutlicher, als wir das

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