Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 538)
- Language
- German
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Krieg, Hinterlist, Meuchelmord, alles war ihnen willkommen, wenn es nur ihre Pliine förderte und zum ersehnten Ziele führte1). Unverwandt, mit zynischer Rücksichtslosigkeit setzten sie ihren Weg über Tausende von Leichen fort und, wurden sie für eine Weile zurückgedrängt, so fassten sie bald um so fester Fuss in sichereren und stärkereren Positionen und schleuderten Tod und Verderben auf das ganze Volk, auf seine windigen und verehrten Führer, in denen sie ihre politischen Gegner erblickten. IV. Ehe wir zur eigentlichen Geschichte der Zeit übergehen, müssen wir uns noch mit einer Stelle bei Grätz (Ha S. 285) auseinandersetzen. Grätz erbringt den Beweis für die mächtige Ein- Wirkung des Hellenismus auf die palästinensiscnen Juden aus einigen Zeilen bei Ben Sirach und so schwerwiegend erscheinen ihm diese Zeilen, dass er sich nicht scheut, selbst die ״ernsten Männer“ in Israel des Hellenismus zu zeihen. ״Auch ernste Männer“, sagt er, ״begannen, unter dem Drucke des griechischen Einflusses, an ihren überkommenen Ueberzeugungen zu zweifeln, ob das alles, was das Judentum lehrt und vorschreibt, auch riehtig und wahr sei, ob die Gottheit vom Menschen die Entsagung von Genüssen und Freuden verlange2) und ob sie sich überhaupt um die grosse Welt des All und die kleine Welt des Menschen kümmere. Epikurs Lehre, für welche dieser in der Zeit nach Alexander in Athen eine philosophische Schule gegründet, welche die Schattenhaftigkeit der Götter behauptete3 * * * * 8) und den Genuss em- 1i Wir kommen auf die Kampfesmethode der Tobianer vielfach zurück. 2) hier erlaubt sich Grätz dem Judentum die absolut falsche und seinem Wesen total fernliegende Vorstellung zu insinuieren* dass es Kasteiung, Zerknirschung und die Askese als unentbehrlichen Bestandteil der Religion vorschreibe. Das Gegenteil davon ist der Fall; Askese und Selbstpeinigung werden überall scharf gemissbilligt. Im Traktat Nasir 19 a wird ausdrücklich hervorgehoben, dass ein Nasir (ein Mann, der das Gelübde ausgesprochen hat, sich aller berauschenden Getränke zu enthalten) nach Ablauf seiner Abstinenzfrist aus dem Grunde ein Opfer darzubringen habe, weil er sich für längere Zeit den Weingenuss entzogen habe. Der mässige Genuss wird nicht nur nirgends getadelt, sondern im Gegenteil unter Bezugnahme auf Prov. 16, 4 (alles hat Gott um des Menschen willen geschaffen) direkt empfohlen; nur übertriebene Genusssucht ist verpönt. 8)י Epikurs Angriffe auf die schattenhaften, nichtigen Götter und Göttinnen