Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 537)
- Language
- German
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445 geringer Teil des Volkes, Josephs Mitarbeiter, tragen neben ihm und seiner Familie den Gewinn aus dem Pacbtgeschäft davon* Der grosse Anhang, der sich um Joseph gleich bei dessen erstem Auftreten schart, ist völlig identisch mit diesen Individuen, die in seinem Steuerbetrieb tätig waren, die mithin, unmittelbar oder mittelbar, von Josephs Manipulationen Nutzen zogen. Hätten es diese Individuen, wie die Tobiadenfamilie selbst, bei ihrer Gewinnsucht bewenden lassen, so hätten sie gewiss keine so bedeutenden Spuren hinterlassen. Das Unglück war, dass sie bald auf das politische Gebiet übersprangen. Die Geldhaufen, welche sich bei Joseph ansammelten, hatten bald ihren Eeiz eingebüsst; da stellte er sich ein höheres Ziel und strebte nach der Allgewalt im Staate. Eigentlich war ihm diese politische Macht direkt in die Hand gespielt worden; der Tribut, welcher in den Händen des Hohepriesters das Symbol seiner Oberhoheit nach aussen darstellte, ging jetzt in der Pacht auf, die Joseph innehatte. Ptolemäus musste ihn infolgedessen als den politischen Vertreter des jüdischen Staates ansehen und behandeln. (Jeherdies verstand er es, vorerst die königliche Umgebung, sodann den König selbst durch das alte erprobte Mittel, durch kostspielige Geschenke so sehr zu umgarnen, dass der letztere alle seine Massnahmen durch Konnivenz oder sogar durch ausdrückliche Billigung guthiess und ihn noch obendrein dadurch unterstützte, dass er ihm eine bewaffnete Macht von zweitausend Mann anvertraute, die er gewiss nach Bedarf auf eigene Kechnung vergrösserte. In seinen Steuer-Einnehmern und -Verwaltern, die er über ganz Judäa verteilte, verfügte er über einen gutorganisierten Beamtenstab, eine Exekutive, in deren Händen sich eine unüberwindliche, seinen Wünschen dienende Macht vereinigte. Zum Heil und Segen konnte natürlich eine derartige Macht im Besitze eines Mannes, der durch einen schnöden Gewaltstreich dazu gelangt war und der nach Wesen wie Lebensführung in diametralem Gegensatz zu dem Volke stand, nicht gereichen. Nichtsdesoweniger wollte es weder ihm selbst, noch seinen Nachkommen, noch seinen Beamten jemals einfallen, die einmal errungene Macht aus ihren Händen fahren zu lassen. Sie suchten vielmehr diese Macht mit allen erdenklichen Mitteln zu befestigen und zu verstärken. Intrigue, Landesverrat, Bruderzwist und