Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 535)
- Language
- German
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443 bedurfte eines ausgedehnten Apparates von Ober- und Unterbeamten, die Josephs Anordnungen ausführten. Ueber die Cbaraktereigenscbaften dieser Helfer und Helfershelfer braucht man kein Wort zu verlieren. Der Hinweis, dass sie Josephs Kreaturen waren, dass sie die erbarmungslose Auspressung der synsehen Städte besorgten, reicht vollkommen zu ihrer Charakterisierung hin. Dass sie dabei auch an sich selbst dachten und auf eigene Rechnung grosse Reichtümer zusammenrafften, liegt auf der Hand. Dieser Kitt der Interessengemeinschaft sebmiedete die Tobiadenfamilie uud ihre Beamten zu einer festgefügten und festgeschlossenen, eng zueinander haltenden Partei zusammen, die sich stark genug fühlte, auch weiter auszugreifen. ״Ueberdies*, sägt Halevy1), ״stand Joseph nicht allein, sondern hatte eine Menge Mitarbeiter, da seine Pachtdomäne sich über unzählige Städte und Provinzen erstreckte. Diese trotzigen Mitarbeiter erwarben sich in gleich gewalttätiger Weise durch ihr Ausbeutungssystem unermessliche Kapitalien, die sie zu Gebietern im Volke machten. Josephus (XII, 4, 10) begleitet seine Erzählung über den Tod Josephs mit folgenden Worten: ״Um dieselbe Zeit starb des Hyrkanus Vater Joseph, der durch seine Tüchtigkeit und seine glänzenden Geistesgaben das Volk der Juden aus Armut und Unansehnlichkeit zu glücklicheren Verhältnissen erhoben*. Merkwürdigerweise wird nirgens bei Josephus mit einer Silbe erwähnt, dass der Tobiassohn das Geringste zur Hebung des Handels in Palästina unternommen hätte. Ein derartiges Unternehmen lag ja auch gar nicht im Rahmen seiner Tätigkeit. Allein die Sache erklärt sich von selbst. Die Steuerpacht an und für sich und noch mehr die Tatsache, dass Joseph den Steuerzins bis ins Ungeheuerliche gesteigert, das Fleisch der Steuerzahler bis auf die Knochen abnagte, und überhaupt, dass er mit brutaler Schonungslosigkeit verfuhr, erforderte einen ganzen Tross von Beamten, Einnehmern, Oberaufsehern und Vorstehern. Hat Joseph selbst unnennbare Summen zusammengetragen, wie Josephus verschiedentlich erzählt, so haben sich gewiss auch seine Mithelfer ein massloses Vermögen verschafft. Hierdurch erwuchs im jüdischen Volke l) Doroth Harischomin 1 c, S. 183.