Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 532)
- Language
- German
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440 forderte ungefähr ein halbes Jahrhundert später die ganze Partei mutig heraus und vertrieb die Tobiadenfamilie aus der Stadt1), obgleich damals ihre Macht schon tief eingewurzelt war. Er selbst hätte bei einem geringen Mass von Energie eines ernsten Kampfes gar nicht bedurft; er hätte den hochfliegenden Joseph gleich im Anfang mit leichter Mühe in seine Schranken zurückweisen können; allein er unterliess die notwendigen Massregeln, weil ihm auch das geringe Mass von Energie, das hierzu erforderlich gewesen wäre, abging. Eben deswegen aber ist die Annahme ganz widersinnig, dass er es gewagt haben sollte, einen Streit mit dem Könige heraufzubeschwören, dessen Grimm nach Lage der Dinge sich in allererster Linie gegen ihn selbst hätte richten müssen. Dagegen ist es sehr wahrscheinlich, dass Athenions Ankunft in Jerusalem den Zweck hatte, dem Onias anlässlich seines Amtsantrittes zu gratulieren, zugleich auch vielleicht den Abhängigkeitsvertrag zwischen Judäa und Aegypten zu erneuern und zu bekräftigen. Denn man darf aus einem Ausdruck bei Josephus mit ziemlicher Sicherheit schliessen, dass sich der politische Umschwung in gleichem Jahre vollzog, in dem Onias sein Hohepriestertum übernahm. Josephus leitet seine Schilderung des angeblichen Streites zwischen Onias und Euergetes folgendermassen ein: ״Omas war schmutzigen Charakters und habgierig, weshalb er die Abgabe von zwanzig Talenten, die seine Vorfahren dem Könige für das Volk entrichtet hatten, nicht zahlte". Der Ausdruck: ״die seine Vorfahren entrichtet hatten“ (01 naxsqaq amov sxelovv) ist, nach unserer Ansicht, nur dann zulässig, wenn Onias im gleichen Jahre zum Amte gelangt war. Würde sich dieser Vorfall erst längere Zeit nach seinem Amtsantritte zugetragen haben, nachdem Onias selbst bereits mehrere Jahre den Tribut anstandslos geleistet hatte, so hätte Josephus ungefähr sagen müssen, dass Onias den Tribut, den e r früher regelmässig eingeschickt hatte, plötzlich verweigert habe. Den freundschhftlichen Zweck der Gesandtschaft verkehrte Joseph durch sein fatales Dazwischentreten in einen unheilvollen. Die notorische Schwäche und Unfähigkeit des Hohepriesters *) S. Jud. Krieg 1,J, 1 und Doroth Harischonim Ic, 185.