Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 531)
- Language
- German
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439 peinlich vermeiden wollte, was das wahre Wesen der Tobiaden und ihrer Anhänger hätte verraten können. Die offenkundigsten Tatsachen, deren die Sadduzäer Erwähnung tun mussten, entstellten sie entweder derartig, dass ihr kompromittierendes Aussehen verwischt wurde, oder sie putzten sie so auf, dass sie gar als Ruhmestaten erscheinen konnten. Das Letztere geschah mit dem bekannten Gewaltstreiche, den Joseph durch die Steuerpacht verübte. Sie verschleierten ihn unter einem solchen Wust von fremdem Beiwerk und schmückten ihn so aus, dass es zuletzt den Anschein bekam, als ob die üebernahme der Pacht nur eine nebensächliche Folge der Reise gewesen wäre, der sich Joseph im Interesse des Volkes unterzogen hätte, während in Wirklichkeit Joseph, dessen Verhalten wir fast in allen Einzelheiten übersehen können, nichts als einen Gewaltakt schnödester Art verübte. Er setzte seinen hinterlistigen Plan mit Hilfe des Gesandten Athenion ins Werk, den er in Jerusalem für seine Intentionen gewonnen hatte. Ohne Athenion wäre es ihm unmöglich gewesen, sich um die Pacht zu bewerben, da der König ihm nicht getraut hätte. Selbst später, als er sich bereits die Freundschaft des Königs erworben hatte, hegte dieser noch immer Zweifel an seiner Vertrauenswürdigkeit und verlangte von ihm eine Bürgschaft. Joseph zog sich jedoch durch eine schlaue Antwort aus der Verlegenheit und es gelang ihm so, dem Ptolemäus derart zu imponieren, dass dieser seine Bedenken aufgab« Dass nicht ein feindseliges, sondern ein friedliches Geschäft den Gesandten Athenion nach der jüdischen Hauptstadt geführt hat, unterliegt keinem Zweifel. Es lag ja gar kein Anlass für einen Konflikt zwischen Judäa und Aegypten vor. Josephus allein kennt als einziges Motiv für die angebliche Meinungsverschiedenheit den minderwertigen Charakter des Hohepriesters Onias* Diese Begründung kann aber unmöglich richtig sein; nicht, weil der Charakter des Onias in Wirklichkeit tadellos, sondern gerade deswegen, weil er tadelnswert war. Man gewinnt durchaus den Eindruck, dass Onias eine schlappe, leichtresignierende, problematische Natur war, die gerne ihre Geschäfte durch andere besorgt sah, auch wenn diese anderen weder dazu berufen, noch dessen würdig waren. Sonst hätte er sich gewiss nicht so leicht von seinem jungen Neffen verdrängen lassen. Sein Enkel Onias HL