Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 527)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3486266-3486283--4030-3490397- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
435 Männern, deren doch gewiss eine grosse Anzahl im Lande vorhanden war. Ein furchtbares Ungewitter droht über dem Volke sich zu entladen, doch vernimmt man nichts von irgend einem Versuche der Abwehr, nichts von irgend einer erlösenden Tat. Alles in Palästina bleibt regungslos, scheint erstarrt, er• storben, ohne Interesse, ohne Verständnis für die nächste Zukunft. Nur ein Joseph, der, wie Josephus ihn im Fortgang der Erzählung nennt, sogar noch Jüngling gewesen zu sein scheint, schläft nicht und schlummert nicht. Er allein hat ein waches Auge und einen lebendigen Sinn für die Interessen seines Volkes, er allein meldet sich im rechten Augenblick, um die Gefahr zu beseitigen. Eine derartige Situation ist in keinem Lande möglich und denkbar. 7. Zu diesen verschiedenen Widersprüchen innerhalb der Vorgeschichte gesellt sich noch die merkwürdige Tatsache, dass aus dem Verlauf der Reise ein ganz anderes Ziel zu erkennen ist, als das, welches in der Vorgeschichte angegeben wird. Nach dieser war der alleinige Zweck der Fahrt die Abbitte beim König, dessen grimmigen Zorn Onias durch sein leichtfertiges Benehmen heraufbeschworen hatte. Demgegenüber mutet es uns ganz seltsam an, wenn wir gleich darauf vernehmen, dass Joseph unterwegs von den Steuerpächtern, denen er begegnete, wegen des armseligen Eindrucks, den er machte, verspottet worden sei. Joseph soll ja nichts weiter vorgehabt haben, als. im Namen des bedrohten jüdischen Volkes vorzusprecben. Trotzdem ging er nicht mit leeren Händen nach Aegypten, hatte sich vielmehr von den Samaritern eine respektable Summe Geldes verschafft, die er in kostbare Geschenke umsetzte. Grund zur Verspottung, sollte man meinen, war demnach gar nicht vorhanden; dass ihn aber gerade die Steuerpächter verhöhnten, die sein Vorhaben am allerwenigsten interessieren sollte, ist doppelt unbegreiflich. Die Darstellung des Josephus ist nur verständlich, wenn Joseph nicht als Abgesandter der jüdischen Nation kam, sondern, wie die angeblich nur zufällig von ihm unterwegs angetroffenen Pächter, sich um die zu vergebende Steuerpacht bewerben wollte. 8. Noch beachtenswerter ist in dieser Beziehung der heftige Unmut der Steuerpächter, als sie Joseph im königlichen Wagen an der Seite des Ptolemäus erblicken. Der Vorgeschichte zufolge gingen ja die Absichten Josephs und der Steuerpächter himmel-