Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 525)
- Language
- German
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433 Volk ins Verderben stürzen wolle, als sieb von seinem Gelde trennen, um dessentwillen er auch, wie man sage, die Regierung und die Würde des Hohepriestertums erstrebt habe*. Wäre wirklich das Amt des Hohepriesters mit der drückenden Bürde verknüpft gewesen, dem Staate alljährlich in Form einer Abgabe an den König von Aegypten die für eine einzelne Person gewiss hohe Summe von zwanzig Talenten zu entrichten, wie ist dann der Vorwurf möglich, dass Onias seine hohe Würde aus unlauteren Motiven angestrebt hätte? Er hätte sich doch mit der Annahme des Hohepriestertums ein Verdienst um den Staat erworben, das nicht hoch genug einzuschätzen war. 4. Die Hebung dieses inneren Widerspruchs wird noch dadurch bedeutend erschwert, dass die Angaben über den Charakter des Onias in der Fortsetzung des Berichtes widerlegt werden. Onias ist nach Josephus ein solcher Geizhals, dass er den Tribut zurückhält, ungeachtet der unabsehbaren Gefahr, die dem Lande daraus erwachsen muss. Doch merkwürdigerweise erwidert derselbe Geizhals, als ihn Joseph wegen seines Verhaltens zur Rede stellt, er sei nicht im mindesten herrschbegierig und auch bereit, falls es möglich wäre, die hobepriesterliehe Würde niederzulegen. Eben erst verweigert er den Steuerbetrag und provoziert in leichtsinnigster Weise den wildesten Zorn des Königs. Und kurz darauf, als er über sein Verhalten befragt wird, verzichtet er ganz kleinmütig zum Wohle des Volkes auf sein hohes Amt. 5. Der Vorwurf selbst, den Joseph seinem Oheim macht, enthält einen Passus, der die Dinge geradezu auf den Kopf stellt. Dass Onias um des Geldes willen sich das Hohepriestertum angeeignet habe, ist eine Anklage, die den geschichtlichen Tat- Sachen direkt ins Gesicht schlägt. Onias war ja, als Sohn des Hohepriesters Simon, des Gerechten, der einzige rechtmässige Nachfolger auf diesem Posten. Vom ersten Hohepriester im zweiten Heiligtum bis auf Simon den Gerechten hatte sich das Hohepriestertum, ohne jede Ausnahme, vom Vater auf den Sohn vererbt. Der erste Hohepriester des zweiten Heiligtums war Josua, Sohn des JozedekJ), ihm folgten Jojakim, Eljaschiv, Jojada *) S. Nehemia 12, 10 sowie Josephus Alt. XI, 3, 10 und 4, 1. Jahrbuch J. L. G. IX. 28