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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1912-01-01 · IX. 1911 - 5672 (1912) · page 523

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
IX. 1911 - 5672 (1912)
Date
1912-01-01
Page
– (sequence 523)
Language
German
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431 recht, nur fällt dabei auf, dass Joseph die Kosten seiner Reise, die er doch ausschliesslich im Interesse des Landes unternommen haben soll, von den bittersten Feinden des Landes, von den Samaritern, leihen muss. Hat er wirklich, wie Josephus angibt, von der Nation den Auftrag erhalten, sich zum Könige zu begeben, um die ihr unfehlbar drohende Katastrophe abzuwehren, so musste sie ihm doch die Mittel für die Reise zur Verfügung stellen; unmöglich und undenkbar ist es aber, dass er sich auf ihre blutigsten Feinde angewiesen gesehen habe. Ungefähr zur selben Zeit, wie sich dieser Vorfall mit Onias zugetragen haben soll, unternahmen die Samariter einen abermaligen Einfall in Judäa und hausten da unbarmherzig1). Eine blutigere Feindschaft als diejenige, die damals zwischen den Juden und den Samaritern geherrscht haben muss, kann mithin kaum gedacht werden. Und doch sollen es gerade die Samariter gewesen seien, die Joseph die Mittel zur Reise vorschossen, um die unentrinnbare Gefahr von ihren erbittertsten Feinden abzuwälzen? 2. Als Grund für die rätselhafte Einstellung der Zahlung an den ägyptischen Hof führt Josephus den schmutzigen und habsüchtigen Charakter des Onias an. Dieser Grund ist eine Verlegen« heitsfloskel. In Wahrheit ist jede Erklärung, die man für das Verhalten des Onias anführen will, unzulänglich und kann in keiner Weise befriedigen. Ptolemäus durfte eine Tributsver- Weigerung nicht ungeahndet hingehen lassen; er musste, je eher desto besser, durch eine exemplarische Strafe ein abschreckendes Beispiel statuieren, und zwar nicht allein an Palästina, sondern auch und vor allem, an dem Urheber der Widerspenstigkeit, an Onias selbst. Wenn dieser trotzdem die Zahlung einstellte, so muss er entweder schwachsinnig und unfähig gewesen sein, die Folgen seines Schrittes einzuseben, oder ein vollendeter Schurke, der das Volk bewusst ins sichere Verderben stürzte. Die Angabe des Josephus, dass der unersättliche Geldgeiz den Onias zur Verweigerung des Tributs veranlasst habe, ist so geschmacklos, dass man sich eigentlich damit gar nicht ernstlich zu befassen hat 2). *) Siehe oben Seite 425. 2) Auch Grätz (11a, S. 244) ist auf diesen Widersinn gestossen und fand keinen anderen Ausweg als die ganz neue, von den Angaben des

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