Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 522)
- Language
- German
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430 auffassen, so haben wir perfekten Hellenismus bereits in der Zeit des ersten Heiligtums, da die Propheten wiederholt ähnliche Vorwürfe gegen ihre Zeitgenossen erheben, so z. B. Hosea 4, 14, Jirmijah 5, 18 und 13, 27. Wir verstehen unter Hellenismus Einflüsse auf die Weltanschauung, auf das Denken und Fühlen, zum mindesten die Uebernahme bedeutsamer hellenistischer Institutionen, nicht aber so alltägliche Erscheinungen, die überhaupt kein Gepräge haben und nur dartun, dass ihre Träger nichtswürdige, verkommene Subjekte sind. Hat doch speciell Joseph kein Bedenken getragen, seinen eigenen Sohn und bisherigen Liebling, Hyrkanus, durch die anderen Söhne, die Brüder des Hyrkanus, ermorden zu lassen 1). Nicht diese Syptome sind es, die der Periode Alexanders und der Diadochen den Stempel des Hellenismus aufgedrückt haben. III. Nachdem wir die wesentlichen Punkte des Berichts, welche auf das private Leben des Tobiassohnes Bezug nehmen, beleuchtet haben, gehen wir nunmehr zum eigentlichen Kern der Urkunde über, zum weit bedeutsameren zweiten Bestandteile, welcher die politische Wirksamkeit Josephs zum Inhalte hat. Bei der Analysierung dieses Teiles werden wir sehen, wie es in erster Linie reine Habsucht, sodann politische Aspirationen waren, welche sein Hervortreten veranlasst und die Bildung der Partei herbeigeführt haben. Josephus zeichnet das Bild des Tobiassohnes mit sichtbarer Sympathie und unverkennbarem Wohlgefallen, verwickelt sich aber dabei, namentlich in der Vorgeschichte des Berichtes, wo uns die Motive der Beise nach Alexandrien geschildert werden, in einen solchen Komplex von Widersprüchen, dass wenigstens dieser Teil seines Berichts ganz unannehmbar wird. 1. Nach dieser Vorgeschichte hat Joseph mit seiner Reise nach Aegypten ausschliesslich das Wohl des Volkes im Auge gehabt. Die Charakterlosigkeit des Onias hatte Israel in eine grosse Gefahr gestürzt; da sprang Joseph in die Bresche und rettete das Volk, indem er sich von ihm den Auftrag erteilen liess, zum Könige zu gehen, um ihn zu besänftigen. Das alles ist ganz l) Siehe Josephus Alt. XII, 4, 9.