Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 517)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3486266-3486283--4020-3490387- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
425 höchstens Mittel zum Zweck. Das eigentliche Motiv, der Ausgangspunkt, die Triebkräfte, wie das Ziel der Bewegung waren keineswegs religiöse, sondern brutal egoistische, nämlich die Herrschsucht, der unbezwingbare Wille zur absoluten Staatsgewalt. Ueber die diesbezüglichen Vorgänge lautet der Bericht hei Josephus (Alt. XH, 4,1 ff.) folgendermassen: «In dieser Zeit belästigten die Samariter, denen es gut ging, die Juden sehr, indem sie deren Ackerland verwüsteten und die Bewohner wegschleppten. Das ereignete sich unter dem Hohepriester Onias. Als nämlich Eleasar gestorben war, folgte ihm in der Würde sein Oheim Manasse, nach dessen Tod Onias, der Sohn Simons des Gerechten, Hohepriester wurde. Dieser Simon war, wie schon erwähnt, ein Bruder Eleasars. Onias war schmutzigen Charakters und habgierig, weshalb er die Abgabe von zwanzig Talenten, die seine Vorfahren den Königen für das Volk entrichtet hatten, nicht mehr zahlte. Hierdurch erbitterte er den König Ftolemäus Euergetes, den Vater des Philopator. Dieser schickte einen Gesandten nach Jerusalem und Hess dem Onias Vorwürfe machen, weil er den Tribut nicht gezahlt habe, sowie auch drohen, er werde, wenn das Geld nicht bezahlt würde, das Land verteilen und seine Soldaten dort ansiedeln. Als die Juden diese Drohung vernahmen, gerieten sie in Schrecken. Onias aber kümmerte sich in seinem Geize nicht darum. Nun wohnte damals zu Jerusalem ein gewisser Joseph, der Sohn des Tobias und einer Schwester des Hohepriesters Onias, der wegen seiner Besonnenheit, Klugheit und Gerechtigkeit bei den Jerusalemern in hohem Ansehen stand. Als dieser von seiner Mutter die Ankunft des Gesandten erfuhr, (er befand sich nämlich damals grade in dem Weiler Phichola, aus dem er gebürtig war), begab er sich in die Stadt und warf dem Onias vor, es liege ihm nichts an der Sicherheit seiner Mitbürger, sondern er wolle lieber das Volk ins Verderben stürzen, als sich von seinem Gelde trennen, um dessentwillen er auch, wie man sage, die Regierung und die Würde des Hohepriesters erstrebt habe. Wenn er so geldgierig sei, dass er um des Mammons willen sein Vaterland in Gefahr und seine Mitbürger in Elend sehen könne, so wolle er ihm den Rat geben, sich an den König zu wenden und diesen zu bitten, dass er ihm das ganze Geld oder wenigstens einen Teil desselben schenken möge. Onias entgegnete, er sei nicht im mindesten herrschbegierig und auch bereit, wenn es möglich wäre, die Hohepriesterwürde niederzulegen. Zum Könige aber werde er nicht gehen, weil er sich um diese Dinge nicht kümmere. Darauf bat ihn Joseph, er möge ihm gestatten, sich für das Volk bei Ptolemäus zu verwenden. Als Onias hierzu seine Einwilligung gab, stieg Joseph sogleich zum Tempel hinauf, berief eine Volks- Versammlung und ermunterte die Bürger, sie möchten sich nicht in Verwirrung oder Furcht versetzen lassen, weil sein Oheim sich so wenig um sie kümmere. Die trüben Gedanken sollten sie fahren lassen, denn er werde zum Könige gehen und ihm Zureden, dass er den Juden nicht züme. Für