Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 516)
- Language
- German
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424 sondern auch durch die Einheit der Sprache, Sitten und Bildung zusammengehalten würde. Alle Völker des Orients sollten mit hellenischer Kultur gesättigt werden . ... So wurde über halb Asien ein Netz griechischer Kultur ausgespannt. . . . Alexanders Nachfolger setzten sein Werk fort. . . . Ganz Vorderasien ist in der Tat, wenn auch nicht in den breiten Massen der Bevölkerung, so doch in den höheren Schichten der Gesellschaft hellenisiert worden. A u c h in Palästina war dieser Prozess um den Anfang des zweiten Jahrhunderts in vollem Gange“ .... Man erkennt leicht an der schroffen Form der Ueberleätungen bei all diesen Autoren, ganz besonders bei Schürer, dass sie die oben gekennzeichnete Auffassung über die palästinensische Krise am ausgeprägtesten vertreten. II־♦ Diese Auffassung erweist sich aber bei genauerer Prüfung der Quellen als verfehlt. Die Krise trat ja ganz unvermittelt ein. In den drei Jahrhunderten, welche zwischen der Rückkehr aus Babylonien und dieser Krise liegen, findet sich keine Erscfieinung, die als Vorspiel oder Symptom für das Auftreten einer derartigen Partei hätte gedeutet werden können. Mochten draussen die Wellen der neuen Zeit noch so hoch gehen, ihre himmelwärts strebenden Wogen noch so stark tosen und branden und das jüdische Land fast zu verschlingen drohen, die Juden Hessen sich nicht beirren. Sie lebten in den alten Bahnen fort, ohne im geringsten von irgend einer Seite beeinflusst zu werden. Erst als Joseph, der Sohn des Tobias und Neffe des Hohenpriesters Onias II., auf der Bildfläche erscheint, gewahren wir eine Wandlung in diesen Verhältnissen, die indes zu der Gesamtlage im Orient in keiner Beziehung steht. Sie legitimierte sich nicht als Hellenismus, nicht als eine Durchdringung des heimischen mit dem fremden, griechischen Wesen, sondern als gewöhnlicher Abfall und als Degeneration, wie deren das Judentum schon so oft gesehen hat. Und selbst diese Ausdrucksformen bestimmen nicht den wahren Charakter der von Joseph ausgegangenen Bewegung. Die religiösen Momente spielen überhaupt in dieser ganzen Bewegung eine völlig nebensächliche Rolle; sie waren, als eine Art Unterströmung, nicht Selbstzweck, sondern