Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 514)
- Language
- German
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422 einem politischen Ganzen zusammenschweissen lassen. Mit allem Nachdruck und aller Energie arbeitete er deshalb durch verschiedene Mittel, wie die Anlage von militärischen Kolonien, von neuen Städten und Emporien, durch die Einreihung von Asiaten in das macedonische Heer, die Heranziehung von Gelehrten und nicht zu allerletzt durch den Ansporn zu Mischheiraten zwischen Asiaten und Griechen, darauf hin, griechische Sitten, griechisches Wesen und griechische Kultur auf dem neuen Boden einzupflanzen und fruchtbar zu machen. Nach seinem frühzeitigen Tode stürzte wohl der stolze politische Bau krachend auseinander,, jedoch der einmal wachgerufene kulturelle Gedanke gewann noch an Stärke und Intensität. Die Diadochen, welche das Erbe Alexanders des Grossen an traten, hatten ein weit lebhafteres Interesse an der Festsetzung des Hellenismus in ihren Einflußsphären als Alexander selbst, da ihnen der Nimbus, welcher den überall bewunderten jugendlichen Helden umgab und dem er zum guten Teil den ihm fast allenthalben gezollten Gehorsam verdankte, völlig abging. Alexander hatte es verstanden, mancherorts für sich die heilsame und glückliche Fiktion eines nationalen Helden zu erwecken, die Diadochen dagegen wurden nie anders denn als Eindringlinge und Usurpatoren angesehen, das ausschliessliche Substrat ihrer Herrschaft war und blieb stets der Hellenismus, den sie mit verstärktem Eifer förderten und verbreiteten. Der Erfolg dieser Bemühungen war ein ungeheurer. Asien erhielt für Jahrhunderte ein neuartiges, hellenistisches Gepräge; das Einheimische, Nationale, Individuelle wurde immer mehr zurückgedrängt und hintangehalten, in demselben Maasse, wie das Fremde, Hellenische immer mehr in den Vordergrund trat und bevorzugt wurde. Von diesen Tatsachen ausgehend ist die Vermutung scheinbar gerechtfertigt, dass der unvorhergesehene Umschwung in Palästina, die plötzlich einsetzende, destruktive Tätigkeit der sogenannten Hellenisten eine gerade Folge oder vielmehr eine natürliche Fortsetzung des grossen Weltprozesses darstellt, welcher sich zu jener Zeit auf dem asiatischen Boden abspielte. Die mächtig fortschreitende Bewegung zu Gunsten des Hellenismus-wird auch einen Teil der palästinensischen Juden erfasst und sie