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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1912-01-01 · IX. 1911 - 5672 (1912) · page 496

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
IX. 1911 - 5672 (1912)
Date
1912-01-01
Page
– (sequence 496)
Language
German
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404 keine Kenntnis der ärztlichen Kunst besässen, da es ihnen nach dem Kirchenrechte verboten wäre, Hochschulen zu besuchen oder sich promovieren zu lassen, und wenn dies dennoch geschähe, so wäre es ohne Glaubensbekenntnis, was jedoch selten einem gelänge. Von solch’ einer Promotion sagt er, dass sie zu nichts tauge, und dass ein so promovierter an keiner Hochschule noch an ärztliehen Kollegien Anstellung fände und aus jeder anständigen Stadt vertrieben würde ... [Seine] 1622 [erschienene] Schrift nennt Siarczynski: ״״Eine noch erbärmlichere und boshaftere Sudelei““r es würdige mehr den Verfasser als die Juden herab“ 1). Die Mitgliedschaft bei den grosspolnischen Chirurgen-Innungen war den jüdischen Chirurgen verwehrt. 1680 stand der Fordoner Wundarzt Abraham unter der Anklage des Diebstahls, der allerdings dem Gerichtshof als nicht bewiesen galt2). Dr. Herrmann, damals Stadtphysikus inBojanowo, äusserte 1750 anlässlich einer Behandlung von Weichselzopf: ״Viele Aerzte wurden konsultirt, unzählige Marktschreier, Juden gefragt (denn an solchen Plappermäulern und Betrügern hat unser Land Ueberfluss) . . 3). Es ist nicht ersichtlich, ob hier jüdische Berufsärzte gemeint sind, und Herrmanns spätere Freundschaft mit Leon Elias Hirschei scheint dies auszuschliessen. L i s s a e r jüdische Aerzte werden von Arnold in seinem Buche über Physiker zu Lissa nach Jonstons Tode (Warschau 1821) nicht genannt4). Der Magistrat in Posen stand selbstverständlich, wenn die wirtschaftlichen Interessen wider einander stritten, auf seiten der christlichen Aerzte. So untersagte er am 20. Juni 1780 den jüdischen Aerzten die Praxis in christlichen Familien. Aber schon im siebzehnten Jahrhundert verpflichteten die Posener Ge- J) Gasiorowski a. a. O. II 133, 152, 157, 159, 160, 163, 164. 2) Mitteilung des H. Dr. KassebPosen, der ihrer infolgedessen in seiner Schrift ״die Chirurgen-lnnungen im Bereiche der Provinz Posen% Posen 1912, keine Erwähnung tut; Zeitschr. der hist. Ges. XVI 191, 197. 3) Herrmann, Primitiae physico-medicae I, Lissa 1750, S. 174: Multi consulti Medici, quaesiti innumeri Agyrtae, Judaei (talibus enim blaseronibus et sycophantis abundat nostra terra) . . . 4) Lewin, Gesch. der Juden in Lissa S. 154 Anm. 3.

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