Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 492)
- Language
- German
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400 Krankheitserreger — namens: Armut, Unreinlichkeit, Unmässigkeit und wahnwitzigster Aberglaube — Stoff in Hülle und Fülle, der noch dazu durch den Ausbruch von Fieber-, Halsbräune- und Pockenepedemien überreich vermehrt wurde. Leon hat alle diese Epidemien und seine anderen interessanten Erfahrungen, darunter auch die über die furchtbare Unsitte der polnischen Plica (Weichselzopf), eingehend beschrieben, nachdem er im Sommer 1766 wieder nach Berlin zurückgekehrt war; denn länger hielt er es in einer solchen Gegend nicht aus, ״wo man nicht alles, was in der gelehrten Welt vorging, so leicht erfahren konnte““. Den Weichselzopf abzuschneiden schien noch um die Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts, ja noch späterhin, bedenklich1). 1785 versuchte ein Arzt in Adelnau die zusammengekrampften Sehnen am Schenkel eines alten Mannes zu heilen. Acht Wochen mühte er sich ohne Erfolg daran. Ein Plotzker gibt 1786 an, dass er eine Kopfwunde geheilt habe, die eine ״Grube“ hinterliess. Um 1793 heilte der Posener Dr. Sobernheim einen verzweifelten Fall in Kurnik durch Medizin. Aber erst sechs bis sieben Wochen nach der Behandlung konnte der Patient ausgehen 2). 1795 starben in Posen innerhalb weniger Monate an den Pocken mehr als 93 jüdische Kinder, ״die überhaupt nach übereinstimmenden Berichten auffallend zahlreich von dieser Krankheit ergriffen wurden“. Hieraus ist ersichtlich, dass die Posener jüdischen Aerzte der künstlichen Impfung mit Kuhpocken, die ״damals nur erst sehr schüchtern betrieben“ wurde, gleich einem grossen Teile ihrer christlichen Kollegen und der Bevölkerung sich widersetzten. Nur der ,.bereits genannte Physikus Gumpert in Meseritz machte, wie schon [hervorgehoben worden ist, eine rühmliche Ausnahme3). Gegen die ״Franzosenkrankheit“ wusste man gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts in Lobsens keine Hilfe4). Manche Aerzte vollzogen auch die Operation der Circumcision und betrieben die ״Balbiererei“, deren Ausübung 1695 1j Monatsschrift 1906 S. 436, תשוב7 ר' עקיבא איגד II, Wien 1889, Nr. 73. 2) Krotoschiner Totenbuch Nr. 29 des Jahres 1785/86, Responsen בזרע ביהודה a. a. O, Jahrbuch der jüd.«״lit. Ges. VIII 101. 3) Zeitschr. d. hist. Ges. XVI 106. 4) *uw תשוב7 ר7 עקיבא II Nr. 74.