Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 484)
- Language
- German
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392 ihn mit neuen Prüfungen verschonen müsse, da er dem medizinischen Oberkollegium wissenschaftlich genügend bekannt sein werde, ferner dass er für die Besetzung der anderen Stellen des Collegii Vorschläge machen dürfe. Erst als diese Bedingungen in mündlicher Verhandlung zugestanden waren, und er es auch durchgesetzt hat, ״ohne weiteres zu jeder Zeit wieder austreten zu können״, gibt Wolff nach, und da erst erhält er die schriftliche Aufforderung bezw. Ernennung“. ״Man verlangte von ihm als Zeichen seiner Befähigung nur die Doktordissertation, bezw. sein Doktordiplom“. Aus dieser amtlichen Quelle berichtet derselbe Gewährsmann noch: ״Wolff erklärt die Errichtung einer Hebammen- und Accoucheur- Schule für höchst notwendig und überreicht (dem Minister) v. Voss einen entsprechenden Entwurf hierfür. ♦.. Unter den von ihm [für die Besetzung der anderen Stellen des Collegii] vorgeschlagenen Personen befindet sich sogar sein eigener Sohn, der auch zunächst in der That mit in Betracht kommt, dann aber doch nicht gewählt wird. Der Sohn Wolff hat es ebenfalls zu grösstem Ansehen in Posen gebracht. Er war im Beginn unseres [neunzehnten] Jahrhunderts fast der beschäftigtste Arzt und wurde weithin konsultirt.... Dieser ״jüngere“ Wolff wirkte bis Anfang der 50 er Jahre trotz seines hohen Alters in Posen, lebte fürstlich und konnte sich rühmen, von Meseritz bis Kalisch und Warschau die Praxis zu beherrschen“. Mit dem Posener Arzte Dr. Carl Wolff, einem gebürtigen Lissaer, der 1832 in die Bürgerliste von Posen aufgenommen worden ist* 1), ist er nicht identisch, sein Vorname war Ludwig2). Aehnlich wie bei Wolff wird auch von dem Santomischeler *) Das. S. 14 Anm. 2,62, 631 und Anm. 2,633, Zeitschr. der hist. Ges. 1 243. Dass Wolff jüdischer Abstammung war, ersehe ich aus dem Posener jüdischen Gemeindebuche Nr. 1 loses Blatt, wo im letzten Drittel des achtzehnten Jahrhunderts ״der Arzt Wolff* in Posen genannt wird. Auch ist die Erinnerung an den jüngeren Wolff in Posener jüdischen Kreisen noch nicht geschwunden. Der grösste Teil des in dem Buche ״Das Jahr 1793“ S. 631 Anm. 2 über ihn Mitgeteilten entstammt gleichfalls dem Berichte eines Glaubensgenossen. Das über Carl Wolff gesagte entnehme ich einer Zuschrift des Posener Magistrats-Büros vom 17. I. 1911. *) Gasiorowski a. a. O. 111 46.