Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 485)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3486266-3486283--3988-3490355- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
393 Meyer laut einer Familienüberlieferung berichtet, dass er seine ausgedehnte Praxis bis über Kalisch hinaus ausgeübt habe1). Schliesslich wird 1804 noch Joh. Noelsohn als Stadtchirurg und Accoucheur in Socliaczew genannt2). VI. |_ [Die jüdischen Kreise wurden nicht müde, in allen Tonarten das Lob dieser Aerzte zu künden. In den Synagogen wurden sie mit dem Ehrentitel ״unser Lehrer“ zur Verlesung aus der Thora aufgerufen. Oft nahmen sie regsten Anteil am Gemeinde- und Vereinsleben, insbesondere an den segensreichen Liebeswerken der ״heiligen Bruderschaften“, und standen im Ghetto an führender Stelle♦ j Der Flatower Nachman (starb 1717) und Lob (starb 1733/34) wurde noch nach ihrem Tode mit Worten des Segens gedacht. Jakob Winkler in Posen wird ״der fromme, berühmte und ausgezeichnete Arzt“ genannt, ״der edle und geehrte“, der auch den Waisen ein Vater war. Gleich anderen seiner Berufsgenossen, die bei jüdischen Angelegenheiten des grosspolnischen Landesbezirks und einzelner Gemeinden an hervorragender Stelle thätig waren, wird auch er als ״das Haupt und der erste der würdevollen Vorsteher der volk- und wissensreichen Posener Gemeinde“ gefeiert. Sein Sohn Wolf Winkler in Posen erfreute sich gleichfalls allgemeiner Beliebtheit und Ansehens. Er wird als ״der in aller Oeffentlichkeit ausgezeichnete, der vollkommene Weise, vollendet durch Vorzüge, erhabene Eigenschaften, Gottesgelahrtheit und Weisheit“ und als ״der hervorragende Gelehrte“ bezeichnet. Von mehreren Historikern wird behauptet, dass auch Jakobs Vater Dr. Leo Winkler, der ״Arzt und Berater des Wiener Ghettos“, einer der Wiener Exulanten vom Jahre 1670, in Posen seinen Wohnsitz aufgeschlagen habe. Von anderer Seite wird dies bestritten. 1629 wirkte ״der edle, starke, gelehrte“, mit Auszeichnung behandelte Posener Juda de Lima bei der Wahl des grosspolnischen Landesrabbiners mit. Er wird ״ehrenwert“ genannt, und ihm wird nachgerühmt, ״dass er wunderbar gutes an den Interessen unserer Gemeinde *) Briefl. Mitteilung seines Enkels H. Geh. Medizinalrats Dr. Lissner- Kosten. *) Universitätsmatrikel von Frankfurt a. d. O. II 621.