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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1912-01-01 · IX. 1911 - 5672 (1912) · page 265

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
IX. 1911 - 5672 (1912)
Date
1912-01-01
Page
– (sequence 265)
Language
German
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173 Die Scheidung muss vom Manne ausgehen und zwar durch Uebergabe eines Scheidebriefes an die Frau *)• Die Einwilligung der Frau ist hierzu nicht erforderfich, fehlt es aber an dem Willen des Mannes, so ist die Scheidung ungültig; daher kann eine Scheidung durch Uebergabe eines Scheidebriefes der Frau an den Mann nach biblisch-talmudischem Rechte nicht erfolgen *) Der Scheidebrief ist im jüdischen Rechtsleben die wichtigste Urkunde; denn abgesehen davon, dass der Scheidebrief die einzige in der Bibel verordnete Urkunde ist, kann einerseits die Scheidüng selbst ohne Anfertigung eines Scheidebriefes nicht vorgenommen werden, andererseits muss die Frau zur Legitimation bei einer Wiederverheiratung den Scheidebrief vorzeigen 1 2 3). Das Institut der Scheidung durch einen Scheidebrief reicht bis zur Zeit der Patriarchen hinauf; letztere ist somit im Judentum die älteste Urkunde 4). Wir erfahren, dass schon Abraham 1J Auch in Babylonien schrieb der Mann, wenn er sich von seiner Frau trennen wollte, einen Scheidebrief und trieb sie aus dem Hause, siehe Meissner, Beiträge zum altbabyl. Privatrecht, S. 14, id., Aus dem altbabyl. Recht, im Alten Orient VII, 1905 S. 25 und id., Das altbabyl. Privatrecht, in Mitteilungen der Gesellschaft für vergl. Recht- und Staatswissen 1, Berlin 1895 S. 70. 2) Auch nach Josephus muss der Mann der Frau den Scheidebrief übergeben, denn er schreibt (Ant. XV, 7, 10 nach der Übers, von Clementz): ״Einige Zeit nachher entstand zwischen Salome und Kostobar Streit, und Salome schickte ihrem Gatten einen Scheidebrief, was aber den Gesetzen der Juden zuwider war“. Selbst bei den Römern war die Scheidung von dem Willen des Mannes abhängig, s. Bergei, Die Eheverhältnisse der alten Juden im Vergleiche mit dem griechischen und römischen, Leipzig 1881 S. 19. — Bei den Falaschas findet die Ehescheidung zwar in einer öffentliehen Versammlung statt, aber nicht vermittels einer schriftlichen Urkunde, s. R. Andree, Zur Volkskunde der Juden, Bielefeld und Leipzig 1881 S. 84. Bei den Samaritanern kommt Ehescheidung nie vor, s. Andree, a. a. O. S- 217. 3) Siehe J. L. Saalschutz, Archäologie der Hebräer, Königsberg 1855 H. S. 199 f.v id., Das mosaische Recht, Berlin 1853 S. 799—804, S. Mayer, Die Rechte der Israeliten, Athener und Römer, Leipzig 1866 11. S. 370, Hamburger, Real Encyclopädie I. S. 905 und 11. S. 1082. E. A. Riehm, Handwörterbuch des Biblischen Altertums II. Aufl. Bielefeld und Leipzig 1898 S. 355, H. Guthe, Kurzes Bibel Wörterbuch, Tübingen und Leipzig 1903 S. 143, W• Nowack, Lehrbuch der hebr. Archäologie, Freiburg und Leipzig 1894 1 S. 347. 4) Siehe D. H. Müller, Die Gesetze Hammurabis und die mosaische Gesetzgebung, Wien 1903 S. 122: ״Ich schicke hier voran, dass die mosa- Ische Gesetzgebung bekanntermassen das Institut der Scheidung nicht ein-

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