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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1912-01-01 · IX. 1911 - 5672 (1912) · page 204

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
IX. 1911 - 5672 (1912)
Date
1912-01-01
Page
– (sequence 204)
Language
German
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112 Verschreibung 1)ל die nun nicht mehr dem Vater des Mädchens, sondern der Frau als eine Schuld des Mannes zukommt, welche erst bei der Auflösung der Ehe, sei es durch Tod oder Scheidung, zu bezahlen ist2). Ohne diese Verschreibung durfte keine Ehe- Schliessung vorgenommen werden, denn darin verzeichnete der Bräutigam auch alle seiner Braut zukommenden Rechte und die von ihm übernommenen Verpflichtungen3). Diese erste Nachricht von einem schriftlichen Ehevertrag gibt uns der Papyrus G von Assuan, welcher eine regelrechte Kethuba ist; M. Lidzbarski hat sie zuerst als solche erkannt und nachher wurde ihre vollkommene Uebereinstimmung mit der tal- *) Vgl. אק מהר אלא כתיבה in Mechilta 17 § משפטים (ed. Friedmann S. 94 a), jer. Ket. III, 5 (27 d 4). So auch bei den Karäern s. Adereth Elijahu S. 103a: .וכן ראוי להכתב המוהר המאוחד בשטר יהד עם הגדוניא וכללו יקרא כתובה 2) Die Umwandlung des Kaufpreises in die Verschreibung ist ebenfalls gemein semitisch-orientalisch, denn auch das tir[c]hatu der Babylonier verwandelte sich in ein Scheidungsgeld, s. V. Marx, a. a. O. S. 8, Kohler-Peiser, Aus dem babyl. Rechtsieben IV, S. 12, Meissner, Beiträge S. 148, Köhler- Ungnad, Hammurabi’s Gesetz 111, S. 227, und im arabisch-islamischen mahr, s. Wellhausen, a. a. O. S. 434, K. Friedrichs, Das Eherecht des Islam, in Zeitschrift für vergl. Rechtswissenschaft VH, 1887 S. 260 und Köhler, Alt«״ syrisches und armenisches Recht, in der angegebenen Zeitschrift XIX, 1906 S. 110, L. Freund, Zur Geschichte des Ehegüterrechtes bei den Semiten, Sitzungsberichte der K. K. Akad. der Wissenschaften in Wien, Phil.-Hist. Kl. 162, Band 1. Abh. Wien 1909, S. 23. Sogar schon zu Hammurabis Zeit gab es Ehen ohne Frauenpreis, s. Codex Hammurabi § 139, Kohler-Peiser, Hammu־ rabi’s Gesetz I, S. 118 und R. Thurnwald, die Stellung der Frau im alten Babylonien, in Blätter für vergl. Rechtswissenschaft und Volkswirtschaftslehre II, 1906 S. 291. — Cuq, Le mariage ä Babylon, in Revue biblique 1905 S. 350 f. beweist, dass schon zur Zeit Hammurabis die Kaufehe zur blossen Zeremonie geworden ist. Vgl. auch Gen. 31, 15, wo die Töchter Labans sich beklagen, dass ihr Vater sie verkauft und ihr Geld verzehrt habe; es wird also vorausgesetzt, dass der Kaufpreis nicht mehr dem Vater gezahlt wird. 3) S. Hamburger, Real-Encyclopädie II, S. 638 f. und 1229. Auch nach dem Gesetze Hammurabis § 128 ist eine Ehe ohne Ehevertrag keine gültige Ehe, vgl. Kohler-Peiser,'Hammurabi’s Gesetz I, S. 118. Dieses Gesetz bestand auch in neubabylonischer Zeit, s. Kohler-Peiser, a. a. O., Meissner, Aus dem babyl. Recht, Leipzig 1905 S. 21. Delitzsch, Handel und Wandel, S. 21. Die Erfüllung dieses Gesetzes beweisen die zahlreichen aufgefundenen Ehever״״ träge. Ueber die Schriftform der Aegypter bei Eingehung der Ehe, s. St* Brossloff, Zur Kenntnis des Volksrechtes, Weimar 1902 S. 70.

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