Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 159)
- Language
- German
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67 bischer Ueberlieferung galt auch für die nichtjüdischen Könige der erste Nissan als Jahresanfang1). Auch die Juden, in Aegypten rechneten wie die Palästinenser nach dem ersten Nissan, wie dies aus den Papyri von Assuan ersichtlich ist und zuerst von M. Lidzbarski erkannt wurde 2). Yon wann an das erste Jahr eines Königs gerechnet wird, erklärt der Talmud folgendermassen 3): Wenn ein König am 29. Adar seine Regierung antrat, so beginnt für ihn am darauffolgenden ersten Nissan ein neues Jahr; hat er aber erst am ersten Nissan (oder später) die Re• gierung angetreten, so gilt das Jahr erst am nächstfolgenden ersten Nissan als vollendet“. Es wird im Talmud ferner ein Unterschied gemacht zwischen der Datierung in einer einfachen und einer gefalteten Urkunde, indem Rabbi bemerkt4): »Für die einfache Urkunde gilt folgendes: Hat ein König ein Jahr regiert, so wird 1J )er. R. h. I, 1 (56 b 11). In Babylonien beginnt ebenfalls mit dem Nissan das Jahr des Königs, s. Ed. Meyer, Geschichte des Altertums, 11. Aufl. 1, 2, S. 330 und 588. Nach Praschek, Ueber den Anfang des persischen Archämenidenjahres, in den Prof. Hilprecht gewidmeten ״Assyr. und Archäol. Studien“, Leipzig 1909, S. 19 sollen die Perser, dem babylonischen Gebrauch folgend, auch ihr Jahr mit dem ersten Nissan begonnen haben. 2) Deutsche Literaturzeitung 1906 col. 3208. Ihm schliessen sich an Schürer, Theologische Literaturzeitung 1907 S. 66 und S. Jampel. MGWJ LI S. 623. 3) R. h. 2a: תנו רבנן מלך שעמד בעשרים ותשעה באדר ביק שתגיע אחד בניסן עלתה לו שגה ואם לא עמר אלא באחד בניסן אין מזגין לו שנה עד שיגיע נים; אחר. 4) B. b. 164 b : פשוט מלך שגה מונק לו שנה שתים מוגין א שתים מקושר מלך שנה מזנין לו שתים שתים מרנין לי ג׳, vgl. noch Tos. B. b. XI, 1 (413, 3). Diese letztgenannte Art der Jahresrechnung wird in B. b. a. a- O. als nicht jüdisch bezeichnet und die Ausgrabungen, der letzten Jahrzehnte haben es auch bestätigt. F. H. Weissbach, lieber einige neuere Arbeiten zur babyl.-pers. Chronologie in ZDMG LV, S. 210 führt eine vom 21. XII. des 10. Jahres des Cyrus datierte Urkunde an. Cyrus hat aber keine vollständige neun Jahre regiert und man schrieb doch ״im zehnten Jahre“. Beachtenswert ist ferner, dass auch in Aegypten eine zwiefache Jahresrechnung, und zwar nach einem bürger■״ liehen und einem königlichen Jahr, unterschieden wurde, s. Meyer, Aegyp״ tische Chronologie [Abhandl. der Akad. der Wissenschaften, Berlin 1904] S. 185. Das Königsjahr deckte sich nicht mit dem bürgerlichen Jahr, sondem ״im späteren Aegypten ist derselbe bekanntlich dahin erfolgt, dass das Jahr, in dem ein König den Thron besteigt, als sein erstes gerechnet wird* mit dem nächsten 1. Thoth aber sein zweites beginnt. Es wird also (im ,Gegensatz zur Postdatierung der Babylonier) antedatiert“, s. ib. S. 187 f.