Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 156)
- Language
- German
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64 erachtetep, datierten den Anfang der griechischen Herrschaft von dieser Zeit. Diese zwiefache Zählung ist auch bei den Juden bemerkbar1), indem sie dasjenige Jahr zum Anfang der seieucidischen Aera nahmen, nach welchem die ihnen benachbarten oder über sie herrschenden Völker rechneten2). Diese Aera blieb übrigens nicht jederzeit in Geltung, sondern sie wurde, wenn auch nur auf kurze Zeit, von anderen Aeren unterbrochen. So wurde im 170. Jahre der seieucidischen Aera die makkabäische Zeitrechnung eingeführt. In diesem Jahre wurde Simon der Hasmonäer zum Hohepriester gewählt und im ersten Jahre seines Amtes befreite er das Volk vom Joche der Heiden. Zum Dank für die Freiheit undünabhängigkeit wurden alle öffentlichen wie privaten Schriftstücke datiert : ,Im ersten Jahre Simons, des grossen Hohepriesters und Feldherrn und Anführers der Juden״, oder: ״Im ersten Jahre Simons, des Fürsten und Wohltäters der Juden3״). Nach einer anderen Erzählung ist die Einführung der makkabäischen Aera folgendem Ereignisse zu verdanken. Die griechische Regierung verbot einst den Juden, den Namen Gottes zu erwähnen. Als später die Hasmonäer siegten und die Herrschaft erlangten, verordnete *) Josephus Ant. IX, 8, 6 berichtet von dem Einzuge Alexanders des Grossen in Jerusalem und bemerkt hierzu, dass die )uden von diesem Jahre an die griechische Aera rechneten, so auch nach den jüdischen Chronologen. Dagegen beweist schon Asarja de Rossi, a. a. O. XXIV und Ideler, Handbuch der math. und techn. Chronologie I, Berlin 1825, S. 531 die Unrichtigkeit dieser Erzählung. Vgl. noch L. M. Lewisohn, a. a. O. S. 32 und 76. 2) Vgl. S. L. Rapoport, Ueber die Chroniken, im Kalender von Busch, Wien 1844 S. 249 ff. Diese Verschiedenheit zeigt sich auch in den Büchern der Makkabäer; im ersten Buche bildet das Jahr 312 den Anfang der Aera, im zweitenaber, welches, im Gegensatz zum ersten, ursprünglich griechisch geschrieben war, ist es das Jahr 311. Vgl. auch F. K. Ginzel, Handbuch der mathematischen und technischen Chronologie II, Leipzig 1911 S. 60 f. — Für die babylonische Form der Seleucidenaera, welche mit dem Jahre 311 beginnt, vgl. Rost, Mitteilungen der Vorderasiatischen Gesellschaft II, S. 108—109 und Schräder KAT3 S. 332. Die Juden richteten sich aber nach den ihnen benachbarten Syrern, Antiochiern, Tyrern u. a., die die seleucidische Aera mit dem Jahre 312 zu zählen anfingen, s. Ginzel a. a. O. S 59 f. 3) I. Makkabäer 13, 41, Josephus Ant XIII, 6, 6.