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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1912-01-01 · IX. 1911 - 5672 (1912) · page 148

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
IX. 1911 - 5672 (1912)
Date
1912-01-01
Page
– (sequence 148)
Language
German
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56 Verfehlung der Frau uagesühnt bleibt; wenn nämlich die Frau, die zugleich die Nichte des Mannes ist, Unzucht treibt, so könnte der Mann ihr, um sie vor der Strafe der Erdrosselung zu schützen, eineu Scheidebrief geben, welchen sie nun, da er datumlos ist, dem Gerichte vorzeigte mit der Bemerkung, sie sei schon vor der Zeit des unter Anklage gestellten Falles geschieden gewesen 1). R. Simon b. Lakisch meint, dass man das Datum in den Scheidebrief zu schreiben verordnete, um zu verhindern, dass der Mann die Früchte der Nutzniessnngsgüter seiner Frau nach derZeit der Scheidung verkaufe oder für sich nehme2). Die Verordnung, das Datum in die Scheidebriefe zu schreiben, wird jedoch schon in der Mischna als allgemein bekannt vorausgesetzt3), woraus man schliessen kann, dass diese Verordnung eine der ältesten ist4), 1l Gittinl7a: מפני מת תקנו זמן בגיטין רבי יוחנן אמד משום בת אחותו ריש לקיש אמד משום פירי. Der Grund des R. Jochanan ist nach R. Isaak bei Scheschet, RGA Nr. 117 nicht nur bei Verwandten anwendbar, sondern auch bei jeder anderen Frau, R. Ascher b. Jechiel zuGittin a. a. O. fasst dagegen das בת אחותו wörtlich auf. — Aus dem Grunde des R. Jochanan lässt sich auch die Verordnung ableiten^ das Datum in den Scheidebrief einer Verlobten zu schreiben. Gittin 26 b, vgl. hierzu die Erklärung des R. Isaak b. Abba׳Mari in ספר העיטור, ed. Lern׳ berg S. 2 b. 2) Ueber die Nutzniessungsgüter נכסי מלוג siehe bei der Kethuba. Diese Früchte verliert der Mann von der Zeit der Anfertigung des Scheidebriefes. R. Jochanan lehrt aber, dass diese Früchte dem Manne bis zur Uebergabe des Scheidebriefes zukommen, s. Gittin 17 b und Tossaphoth z. St. s. v. איפיך. Nach dieser Ansicht des R. Jochanan entscheidet auch Alfasi z. St., Maimonides, Geruschin 1, 24, Eben Haeser § 127, 1. In jer. Gittin II, 2 (44 a 72) vertritt R. Jochanan die Ansicht משום פיחת, vgl. hierzu R. Ascher zu Gittin 17 a. Aus der Erklärung des R. Gerschom und R. Samuel b. Meir zu ß. b. 146 b folgert R. Mose ibn Chabib in 2 ,127 § גט פשוט, dass das Datum des Scheidebriefes dazu bestimmt sei, zu verhindern, dass das der Frau nach der Scheidung zugefallene Erbgut dem Manne verfalle, vgl. noch R. Jona Nabon in *2 ,127 § גט מקושי Ende; Tossaphoth zu Gittin 18a s. v. הנהו beantworten die Frage, warum man noch heutzutage das Datum in den Scheidebrief schreiben muss, nachdem die Ansicht des R. Jochanan von der Halacha acceptiert wurde, vgl. auch Tur Eben Haeser § 127 und Beth Josef z. St. ף So Z. B. Gittin III, 2 (26 a), IX, 4 (86 a). 4) Bloch שערי תירת התקנות II, 2, S. 213 meint, die Verordnung sei wenigstens vierzig Jahre vor der Zerstörung des Tempels getroffen worden.

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