Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 140)
- Language
- German
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48 Das Wesen der Urkunde macht hauptsächlich ihr Inhalt aus, aber neben dem Urkundeninhalt kommt noch der Besitz der Urkunde in Betracht. Dieser hat jedoch nur daun eine rechtliehe Wirkung, wenn er in Beziehung zum Urkundeninhalte steht, wenn letzterer den Inhaber der Urkunde mit dem Besitzer identifiziert. Dem Besitzer wird das urkundliche Becht durch Einhändigung der Urkunde verliehen, sie gibt ihm eine Art Verfügungsmacht über das darin verzeichnete Becht. Mit der Veräusserung der Urkunde gibt der aus der Urkunde Berechtigte auch sein Becht, zu gunsten dessen auf, dem er die Urkunde überlässt; so verliert die Frau das ihr in der Kethuba verschrie״ bene Becht und sie ist, ebenso wie der Gläubiger, verpflichtet, nach Auszahlung der festgesetzten Summe, — wie dieser nach Auszahlung einer Darlehensschuld —, ihrem Manne oder dessen Erben, — wie der Gläubiger dem Schuldner —, die Kethuba zu übergeben. Bezeichnung der Urkunden. Die Benennung der Urkunden hat in der jüdischen Literatur eine eigentümliche Entwicklungsgeschichte durchgemacht, welche sich von der ältesten bis zur talmudischen Zeit — von welcher Zeit an die Namen bis heutzutage unverändert blieben —, genau verfolgen lässt. Die Bezeichnungen des Ausdruckes ״Urkunde“?eigen den grossen Einfluss des assyrisch-babylonischen Bechtslebens auf das jüdische, eine Erscheinung, auf die an anderen Beispielen schon H. Pick und N. M. Nathan hingewiesen haben1). Sämtliche hebräischen Bezeichnungen für das Wort ״Urkunde“ sind auf assyrisch-babylonischen Ursprung zurückzuführen. Der älteste Name ist das assyrische s[ch]ipru ״Sendung Brief, Schriftstück“2), in der Bibel 3ס^ר), welche Benennung auch 1J H. Pick, Talmudisches und Assyrisches, Berlin 1902 S. 23 f., N. M. Nathan in OLZ VI, 1903, S. 182. 2) Delitzsch, Handwörterbuch S. 683, Fr. Hommel, Aufsätze und Abhandlungen, München 1892, S. 34 Anm. 1, E. Schräder, KAT3 S. 649. 3) Deut. 24, 1. 3; Jes. 51, 1; Jer. 3, 8: ספר כריתות; Jer. 32, 11. 12. 14. 16 ספר המקבת; Jer. 32, 10. 44: כתב בספר. Der Pural ספרים in Jer. 34, 14. In der späteren Literatur befindet sich noch ספר כתובה, jedoch sehr selten, so in Jeb. XV, 3, Edujoth I, 12, Tos. Edujoth I, 6 (455,23), jer. Jeb. XV, 3 (14 d 38),, Jer. Ket. IV, 8 (29 a 1).