Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 119)
- Language
- German
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27 einem ganz anderen Landstrich an und das Gebet derer, die in Palästina wohnten, konnte doch für sie gar nicht in Betracht kommen, da sie den jenseits des (in 14 Tagen erreichten) Euphrath liegenden Teil ihrer Rückreise in einem Gebiete zurücklegten, in welchem die Regenperiode noch nicht begonnen hatte. Aus den Worten Raschis zu unserer Stelle scheint hervor• zugehen, dass er eine ganz andere Auffassung hatte. Zu den Worten כדי שיגיע וכר schreibt er: כלומד קודם ביאת המים לנהר פרת ״d. h. bevor das Wasser bis zum Euphrath herankommt/ Nach der gewöhnlichen Auffassung, dass die Belästigung der Wallfahrer durch die niedergehenden Regengüsse vermieden werden sollte, müsste man erwarten, קודם ירידת הגשמים. Die Worte קודם ביאת המים deuten auf anderes hin. Der Talmud Sabbath 65 b sagt: ממרא במערבא סהדא רבא פרת ״Für die Regengüsse in Palästina ist das Anschwellen des Euphrath bezeichnend“. Wenn daher in Palästina die Regenzeit bereits begonnen hätte, war zu befürchten, dass das Anschwellen des Flusses ein Verkehrshindernis für die Wallfahrer werden könnte, weil sie nicht mehr hinüber gelangen würden. Mit Rücksicht darauf hat man mit dem Gebet um Regen gewartet, bis dass die jenseits des Euphrath wohnenden Wall• fahrer hinüber gelangt waren. Nur so lassen sich, meines Erachtens, die Worte קודם ביאת המים לנהר פרת erklären. Daraus Hesse sich dann eine der Ansicht Tossaphoth’s entgegengesetze Schlussfolgerung entnehmen, nämlich, dass auch die babylonischen Juden zum רגל kamen und dass man gerade auf diese Rücksicht nahm. Der Verfasser des תוספות ירט stellt eine Berechnung auf, wonach der Weg von Jerusalem bis zum Euphrath 150 Parasangen beträgt, so dass es genau 15 Tagereisen waren, da die gewöhliche Tagesleistung, nach Pesachim 94 a, 10 פרסאות betrug. Straschun in seinen הגהות findet diese Ausführung köstlich und bemängelt nur daran, dass doch eigentlich nur 14 Tagereisen herauskommen, da man schon am 7. Cheschwan das Gebet um Regen begann. ‘ Nach dem, was wir oben im Sinne Raschis ausführten, erledigt sich diese Frage. Angenommen, die Regengüsse beginnen gleich am Tage des Gebetes, am 7. Cheschwan, so dauert es doch